Jedes Jahr nehmen die steirischen Bauern den Weltmilchtag am 1. Juni als Anlass zur Lagebesprechung. Der Preis ist aktuell zwar stabil, hohe Baukosten und Kreditzinsen fordern jedoch vor allem junge Milchbauern. Digitalisierung bekommt immer mehr Bedeutung – dies fördert auch eine bessere Work-Life-Balance.
Mindestens drei Stunden in der Früh und drei Stunden am Abend nur fürs Melken – und das zu zweit: Das war früher der tägliche Arbeitsaufwand für Milchbäuerin Sophia Spath (29) aus Hitzendorf. „2021 haben mein Mann und ich den Hof übernommen und uns entschieden, einen Melkroboter anzuschaffen“, erzählt sie.
200.000 Euro kostet so ein System in der Anschaffung, plus laufende hohe Energiekosten. Dafür ist der Alltag von Spath und ihrer Familie mit ihren 60 Milchkühen heute ein ganz anderer: „Ich schaffe die gesamte Arbeit in eineinhalb Stunden in der Früh alleine.“ Während die Maschine melkt, kann Spath das Futter einstreuen und sich um andere Dinge kümmern. So bleibt der Mutter einer kleinen Tochter mehr Zeit – und mehr Lebensqualität.
Mit dem Handy in den Stall verbunden
Ihre Kühe tragen außerdem Halsbänder, die Vitalwerte messen – so kann Spath erkennen, ob eine Kuh krank wird, zwei Tage bevor die Krankheit ausbricht. Das spart Folgekosten und verbessert die Milchqualität. Der Nachteil? „Man schaut ständig am Handy oder Tablet, wie es den Kühen geht. Man ist quasi immer erreichbar, auch, wenn man unterwegs ist.“
Laut der Landwirtschaftskammer melken 291 Roboter in der Steiermark Kühe. Nur acht Prozent der Betriebe verwenden sie – die Tendenz ist aber stark steigend, weitere 17 Prozent sagten 2021 in einer Umfrage, ein solches Gerät anschaffen zu wollen. „Das ersetzt die Bauern nicht, sondern unterstützt sie“, sagt LK-Präsident Franz Titschenbacher. Die Produktivität steigt durch die Technik, weil die Maschinen den Menschen Handgriffe abnehmen.
„Marktsituation ist stabil“
Die versammelten Branchenvertreter gaben sich zum heurigen Weltmilchtag entspannt wie lange nicht mehr. „Die Marktsituation ist aktuell stabil“, sagt Titschenbacher. Am Höhepunkt der Inflation lag der Milchpreis bei 58 Cent pro Liter, jetzt ist er auf 48 Cent gefallen. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit ist das viel, dümpelte der Milchpreis seit 2012 doch zwischen 28 und 38 Cent herum.
Bleibt den Bauern deswegen mehr im Börserl? „In absoluten Zahlen, ja, relativ aber nicht“, sagt Jakob Karner, Obmann der Obersteirischen Molkerei, denn „die Baukosten und Kreditzinsen sind so stark gestiegen, dass es kaum mehr möglich ist, neue Ställe zu bauen“. Franz Spath, Vorstand der Steirermilch, pflichtet ihm bei: „Die Spanne ist kleiner geworden.“
Nach wie vor gehen pro Jahr etwa drei bis vier Prozent der Milchbetriebe verloren. „Die Liebe zum Beruf ist die eine Sache“, sagt Andreas Radlingmaier von Ennstal Milch. „Die Betriebswirtschaft ist die andere.“
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.