Trotz heikler Krankengeschichte hat ein Klinikum in Niederösterreich einen Patienten mit akuten Schmerzen schriftlich an externe Diagnosezentren verwiesen. Obwohl es Mitternacht war – das Gerät vermutlich frei. Der Pensionist aus dem Weinviertel wurde zwar untersucht, aber trotz Vorgeschichte samt Not-OP nach Gallenriss hieß es, dass für eingehendere Tests „erst ein Team aus Wien kommen müsste“.
Die Galle geplatzt, der Bauchraum schon stark vergiftet: Karl Sch. kann sich noch gut an die Notoperation erinnern, als er vor knapp fünf Jahren am Tod durch Blutvergiftung knapp vorbeischrammte. Nach dreimaliger Abweisung der Ambulanz im Landesklinikum Mistelbach rettete ihm eine Notoperation das Leben.
Wiedersehen im OP-Spital – Betreuung ok, aber CT war tabu
Mit akuten, schweren Bauchschmerzen wurde der 77-Jährige zu mitternächtlicher Stunde nun wieder in die Klinik gebracht – und lediglich mit Schmerzmitteln abgespeist. In Rage bringt den Weinviertler sein Entlassungsbefund: Darin wurde explizit darauf hingewiesen, dass genauere Diagnosen notwendig wären – etwa ein Check in einem Computertomografen.
„Ein CT wäre in dem gut ausgestatteten Schwerpunktkrankenhaus in der Nacht sicherlich in Kürze erledigt gewesen“, ist der Mann erzürnt. „Dass im Weinviertel im niedergelassenen Bereich enorme Wartezeiten herrschen, ist bekannt – ein Check im Spital wurde mir aber verweigert“, so Sch. weiter.
LGA: Keine Gefahr im Verzug, Blut untersucht
Die Landesgesundheitsagentur LGA kommentiert die Causa gelassen: Laborbefunde hätten keine Gefährdung ergeben. Medizinische Entscheidungen hätten dann Ärzte getroffen, die spezialisiert sind – so umschifft man mit Standardsätzen eine momentan intensiv diskutierte Problematik: Es gibt im Weinviertel zu wenig niedergelassene Institute mit Kassenvertrag, die Wartezeiten betragen mehrere Wochen, wie SPÖ-Nationalrätin Melanie Erasim in einer parlamentarischen Anfrage thematisiert hat.
Kaputt gesparte Spitäler schieben Schmerzpatienten mitten in der Nacht an den niedergelassenen Bereich ab: Eine Bankrotterklärung des niederösterreichischen Gesundheitssystems!
Weinviertler SPÖ-Nationalrätin Melanie Erasim
Der Vorfall bekräftigt auch Aussagen von Bernhard Wurzer, Generaldirektor der Gesundheitskasse: Bei Spitals-Tomographen verzeichne man keine Auslastungssteigerungen, während in Radiologiepraxen die Zahl der Checks stetig steige. Dennoch verweisen Krankenhäuser auch Patienten mit Schmerzen an Institute mit extrem langen Wartezeiten.
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