Fr, 22. Juni 2018

"War immer hungrig"

11.10.2012 12:26

Buchpräsentation: Arnie hält 20-Min.-Rede auf Deutsch

Arnold Schwarzenegger ist am Mittwoch der absolute Star auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. In der längsten Rede, die er je auf Deutsch gehalten hat, nahm er die Zuhörer auf eine Zeitreise durch sein Leben mit.

Starautoren vom Kaliber einer Donna Leon oder eines Wolf Haas tummeln sich zurzeit in Frankfurt - aber das größte Griss gab's am Mittwoch auf der berühmten Buchmesse um einen, der eigentlich gar kein Schreiber ist: Bodybuilder, Schauspieler, Gouverneur, als solchen kennt man Arnold Schwarzenegger. Jetzt stellte er erstmals im deutschen Sprachraum ein Buch vor - sein Buch. Die Geschichte seines Lebens, dessen Text weltweit für Aufregung gesorgt hat.

Der Inhalt ist von ihm. In die richtigen Worte gekleidet hat ihn ein amerikanischer Ghostwriter namens Peter Petre. Auf Deutsch übersetzt wurde der 672-Seiten-Wälzer gleich von vier Top-Leuten.

"Ich war immer hungrig"
Auf der ARD-Bühne im Messegelände überraschte Schwarzenegger die akkreditierten Medienteams dann mit einem fast 20-minütigen Monolog: "Ich nehme euch auf eine spannende Reise mit", sagte er und lud die Zuhörer ein, neben ihm in einem imaginären Auto Platz zu nehmen. "Ich lenke, und du fährst mit!"

Vorerst gemächlich ging's dann durch seine steirischen Jugendjahre bis München, wo seine Bodybuilder-Karriere richtig begann. Er sprach von der unglaublichen Willenskraft und der eisernen Disziplin, die ihn vorwärtsgetrieben hätten - rasant weiter bis nach Hollywood. "Ich war immer hungrig, und da war immer ein neuer Traum." Alle in Hollywood hätten zunächst den Kopf geschüttelt, als er ins Schauspielgeschäft einsteigen wollte.

"Bleib beim Bodybuilding"
Die Studiobosse hätten Schwarzenegger drei Hindernisse genannt: "Meinen Körper - so etwas war vor 20 Jahren modern, als man die Herkules-Filme machte, jetzt sind andere Typen sexy und gefragt: Dustin Hoffman, Woody Allen oder Al Pacino. Dann meinen Akzent. Der sei so dick, dass man ihn nur mit einem Schwert durchschneiden könnte. Und schließlich meinen Namen: Schwarzenschnitzel oder auch Schwarzenwürstln. 'Weißt du was, Arnold?', haben die Studiobosse gesagt, 'Bleib doch lieber beim Bodybuilding!' Aber wie immer habe ich jedes Mal, wenn sie Nein gesagt haben, Ja gehört."

Am Ende - so sagte er - habe es in seinem Lebensauto plötzlich ein hässliches Knirschen gegeben, es sei mit einer Motorpanne stehen geblieben. "Von einer Sekunde auf die andere war alles kaputt. Es war der schwärzeste Tag in meinem Leben, als meine Familie, das, worauf ich am allerstolzesten war, durch meine Schuld plötzlich auseinandergebrochen ist." Es sei nicht der einzige Dämpfer in seinem Leben gewesen, "aber die letzte Niederlage war meine allergrößte". Es habe recht lange gedauert und viel harte Arbeit sei nötig gewesen, um den Wagen zu reparieren.

Jetzt liefe er wieder auf Hochtouren: "Hollywood hat mich wieder, ich habe innerhalb eines Jahres vier Filme gedreht. Ich trage meine Grün-Botschaften zum Schutze unserer Erde um die Welt, ich rufe die Menschen zu mehr Fitness auf, und ich habe begonnen, eine neue Leiter zu besteigen. In dem von mir mitfinanzierten Schwarzenegger-Institut an der University of Southern California werde ich als Professor vor Studenten stehen. Terminator - Governator - Educator! Mein Weg geht weiter!"

"Politiker Schwarzenegger wird es in Österreich nie geben"
Bei der anschließenden Pressekonferenz hatte er gleich bei der ersten Frage eine Chance, ein fünfminütiges Loblied auf Österreich zu singen. "Wie ist Ihr Verhältnis zu ihrer alten Heimat?", fragte jemand. "Ich genieße jede Minute, die ich in der alten Heimat verbringe", begann Schwarzenegger und hob dann Österreich nicht zuletzt wegen des hohen Lebensstandards und der niedrigen Arbeitslosigkeit als europäisches Vorbild hervor. Auch Kanzler Werner Faymann bekam seine Streicheleinheiten: "Obwohl wir aus unterschiedlichen politischen Richtungen kommen, vertragen wir uns bestens. Uns vereint, dass wir den Weg der Zusammenarbeit zwischen den großen Parteien suchen. Anders, als das in Washington der Fall ist."

Auf die Frage, ob er - wie Frank Stronach - aktiv in die österreichische Politik einsteigen wolle, lächelte er nur: "Ich bin gern bereit zu helfen, wenn man mich braucht, und ich bin auch ungemein stolz auf mein altes Heimatland, aber einen aktiven Politiker Schwarzenegger wird es in Österreich nie geben."

"Es ist ein extrem ehrliches Buch geworden"
Zum Thema Motivation sagte er: "Obwohl ich zu den reichsten Leuten Hollywoods gehöre, war Geld nicht wirklich meine Motivation. Ich hätte das alles auch ohne Bezahlung gemacht - einfach weil ich es wollte und weil es wichtig für mein Leben war. Ich hab' ja später auch für den 'Governor-Job' sieben Jahre lang keinen Cent Gehalt kassiert."

Und auf die Frage, warum er erst jetzt mit der ersten Autobiografie herausgekommen sei, sagte er: "Bis zum Ende meiner Zeit als Gouverneur hatte ich nie das Gefühl, den Menschen irgendetwas Wichtiges mitteilen zu können. Dann habe ich dem 20-jährigen Drängen meines amerikanischen Buchverlages aber doch nachgegeben und daran zu arbeiten begonnen. Ich glaube, es ist ein gutes und vor allem extrem ehrliches Buch geworden."

Schließlich musste die anschließende Autogrammstunde wegen des zu starken Andrangs sogar abgebrochen werden. Die Sicherheitskräfte hätten ansonsten die Halle mit dem Stand seines Verlags absperren müssen.

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