Entsetzen am Tag danach in der Gemeinde Ilz: Am Ostermontag wurden ein Steirer (80) und seine Gattin (84) von einem abgeknickten Baum erschlagen – sie hatten nicht den Funken einer Überlebenschance.
Dienstagmittag auf der L404 nahe Ilz. Es ist nicht viel Verkehr auf der erst vor ein paar Jahren frisch sanierten Landesstraße. Der Wind bläst, ordentlich sogar, aber er ist ein laues Lüfterl im Vergleich zu den heftigen Stürmen der Vortage.
Auf der Straße zeugen Markierungen vom Unfall, auf der einen Seite liegt Geäst eines Baumes, der einmal ein mächtiger gewesen sein muss, auf der anderen ragt sein Stumpf aus dem Waldboden. Wenige Meter weiter ist der Wildzaun tief eingedrückt. Hier starb am Ostermontag ein Ehepaar: ein Fürstenfelder und seine Frau, 80 und 84 Jahre alt, auf dem Weg Richtung Ilz.
Während des Sturms war eine Esche, eine „frisch im Saft“ stehende, keine morsche, auf ihre Windschutzscheibe gekracht, hatte das Dach eingedrückt, der schwer beschädigte silberne Suzuki Hybrid wurde in den Wald geschleudert. „Unsere Mannschaft war binnen kürzester Zeit vor Ort“, schildert Andreas Kundegraber, Kommandant der Feuerwehr Ilz.
Mit der Hydraulikschere wurde so rasch wie möglich ein Zugang zum Ehepaar aus Fürstenfeld geschaffen. Doch für die beiden kam jede Hilfe zu spät.
„Eine Sekunde früher oder später – und keinem wäre etwas passiert“
Tags darauf herrscht tiefe Betroffenheit im Ort. „Das Schicksal kann so brutal sein!“, sagt August Friedheim, der zweite Vizebürgermeister von Ilz. Er sinniert: „Eine Sekunde früher oder eine Sekunde später – und keinem wäre etwas passiert.“
Eine Sekunde, das ist, wie wenn man sich beim Weggehen noch einmal umdreht und überlegt, ob man wohl eh die Kerzen ausgeblasen, den Herd ausgeschaltet hat. Eine Sekunde, die über das Schicksal entscheidet. Und die gereicht hat, die Pensionisten aus dem Leben zu reißen.
Weil es vor unserer Haustüre ist
Doch warum macht uns gerade dieser Todesfall so betroffen? „Weil es jedem von uns hätte passieren können“, sagt Seelsorgerin Regina Stampfl aus Heinersdorf. Es zeige einem auch die eigene Verletzlichkeit auf. „Die Geiseln in Gaza oder die entführten Kinder im Ukraine-Krieg sind weit weg – doch das geschah vor unserer Haustüre ...“
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