Hilfskonvoi getroffen

Netanyahu: Angriff in Gaza war „unbeabsichtigt“

Ausland
02.04.2024 14:52

Der Tod von sieben Mitarbeitern einer Hilfsorganisation im Gazastreifen durch einen israelischen Luftangriff am Dienstag sorgt für Trauer und Entsetzen. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu bedauerte den „unbeabsichtigten“ Angriff und versprach eine Untersuchung des Vorfalls. 

Die Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) kündigte an, sie werde angesichts des tödlichen Angriffs auf einen Hilfskonvoi ihren Einsatz in der Region sofort stoppen.

Der Konvoi sei getroffen worden, obwohl man die Fahrt mit der israelischen Armee koordiniert habe, so WCK weiter. Die Helfer hätten gerade ein Lagerhaus in der Ortschaft Deir al-Balah im zentralen Abschnitt des Gazastreifens verlassen, als sie beschossen worden seien. Dort hätten sie mehr als 100 Tonnen humanitärer Lebensmittelhilfe entladen, die auf dem Seeweg in den Gazastreifen gebracht worden sei.

Auch Europäer unter den Toten
„Dies ist nicht nur ein Angriff auf WCK, dies ist ein Angriff auf humanitäre Organisationen, die in schlimmsten Situationen kommen, in denen Nahrung als Waffe im Krieg eingesetzt wird“, sagte die Geschäftsführerin der Organisation, Erin Gore. „Dies ist unverzeihlich.“ Die sieben Opfer stammten laut der Mitteilung aus Australien, Polen, Großbritannien und den Palästinensergebieten – zudem habe eines der Opfer die US-amerikanische und kanadische Staatsbürgerschaft.

Israels Regierungschef Netanyahu beschrieb in einem am Dienstag veröffentlichten Video den Angriff als tragisch und unbeabsichtigt. „Wir schauen uns das gründlich an und sind in Kontakt mit den Regierungen. Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert“, so Netanyahu weiter. Der Premier wurde am Dienstag nach einer OP wegen Hernien aus dem Krankenhaus entlassen.

Israel äußert „tiefstes Bedauern über tragischen Vorfall“
Das israelische Militär teilte am Dienstag in einem englischsprachigen Video mit, es führe „eine gründliche Untersuchung auf höchster Ebene durch, um die Umstände dieses tragischen Vorfalls zu verstehen“. Armeesprecher Daniel Hagari äußerte sein „tiefstes Bedauern“ und kündigte an, der Vorfall werde von einem „unabhängigen, professionellen Expertengremium“ untersucht werden. Die israelischen Streitkräfte bemühten sich darum, die Wahrscheinlichkeit eines erneuten derartigen Vorfalls nach Möglichkeit zu reduzieren.

Das österreichische Außenministerium forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls und den ungehinderten Zugang von Helfern zum umkämpften Küstenstreifen. „Das Leben von Zivilisten und die humanitären Helfer müssen zu allen Zeiten beschützt werden“, so das Außenamt in einem Posting auf X.

Polen fordert Antworten von Israel
Polen forderte angesichts der Berichte über den Tod eines polnischen Staatsbürgers Aufklärung von Israel. „Wir haben die israelische Botschaft, die Sicherheitskräfte und die israelischen Streitkräfte um Klärung gebeten“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Warschau am Dienstag. „Wir wissen, dass der Beschuss im nördlich-zentralen Teil des Gazastreifens stattfand, und dass unter den Menschen, die dabei starben, ein polnischer Staatsbürger erwähnt wird.“

Australiens Ministerpräsident Anthony Albanese bestätigte den Tod der 44-jährigen Entwicklungshelferin Lalzawmi „Zomi“ Frankcom und forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. „Dies ist eine menschliche Tragödie, die sich niemals hätte ereignen dürfen“, sagte er vor Journalisten. In den USA zeigte sich die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Adrienne Watson, erschüttert. „Humanitäre Helfer müssen geschützt werden, wenn sie dringend benötigte Hilfe liefern, und wir fordern Israel auf, den Vorfall schnell zu untersuchen“, erklärte sie.

WCK verteilt seit Oktober Hilfsgüter an Palästinenser
WCK ist seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen an der Verteilung von Hilfsgütern in dem Palästinensergebiet beteiligt. Sie ist eine von zwei Hilfsorganisationen, die Hilfsgüter von Zypern aus per Schiff in den Gazastreifen liefern, und war dort auch am Bau eines provisorischen Anlegers beteiligt.

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