03.07.2012 16:27 |

Agrar-Fiasko

Ernte bricht heuer um bis zu 50 Prozent ein

Extreme Trockenheit seit Ende Oktober und schwerer Frost am 18. Mai haben in Ostösterreich - der "Kornkammer" des Landes - zu massiven Ernteausfällen geführt. Im Norden und Osten Niederösterreichs und in Teilen des Burgenlands rechnen Ackerbauern bei einzelnen Kulturen mit bis zu 50 Prozent weniger Ernte als im Vorjahr.

Österreichweit prognostiziert die Landwirtschaftskammer einen Rückgang der Getreideernte von 19 Prozent auf 2,6 Millionen Tonnen im Vergleich zu 2011. Im vergangenen Jahr wurde jedoch eine überdurchschnittliche Ernte eingefahren. Der durchschnittliche Ertrag pro Hektar soll sich von 5,5 auf 4,4 Tonnen verringern. Die heurige Getreidequalität wird aber immerhin als sehr hoch eingeschätzt.

"Dramatische Ernteunterschiede innerhalb Österreichs" ortet Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. Außerhalb Ostösterreichs wird eine durchschnittliche Getreideernte erwartet. Diese könne aber nur zum Teil die Ernteausfälle ausgleichen, sagte Wlodkowski am Dienstag im niederösterreichischen Drösing.

Die stärksten Rückgänge zum Vorjahr werden bei hochwertigen Getreidesorten - Durum für Nudeln (minus 42,6 Prozent), Sommergerste für Brauereien (minus 29,7 Prozent) und Weichweizen für Mehl (minus 21,9 Prozent) - erwartet. Deutlich geringer ist der Ernteausfall bei Getreidearten für die Tierfütterung, etwa Triticale (minus 9,1 Prozent). Die Versorgung mit Qualitätsweizen in Österreich sei aber gesichert, beruhigt die Landwirtschaftskammer.

Lage der Bauern "mehr als dramatisch"
Wegen der Trockenheit und den Frostschäden sei die Lage der Getreidebauern in Ostösterreich "mehr als dramatisch", betonte der burgenländische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Stefan Hautzinger. Man habe schon mit der Ernte begonnen, weil das Getreide "notreif" sei. "Eine sehr frühe Ernte ist ein schlechtes Zeichen." Die Ackerbauern könnten heuer nicht kostendeckend arbeiten, warnte Hautzinger. Die EU-Agrarförderungen könnten die Einnahmeausfälle nur abfedern. Der fehlende Regen "bricht uns das Genick", so der Landwirtschaftskammer Wien-Präsident Franz Windisch.

RWA-Getreidemanager Ernst Gauhs rechnet derzeit aufgrund der weltweiten knappen Lagersituation zumindest mit keinem Rückgang der Getreidepreise. Wenn die Ernte in den USA und in Russland geringer ausfallen, könnte es in den nächsten Monaten aber erneut zu Panikreaktionen an den Märkten kommen. Er verwies auf den extremen Anstieg der Weizenpreise im Sommer 2010.

Dieser hatte viele Faktoren: Die Dürre in Russland und China, die Flut in Australien sowie die extreme Kälte im US-Hauptanbaugebiet hatten damals die Getreidepreise international in die Höhe schnellen lassen. Zwischen August 2010 und Februar 2011 stieg der Preis für Qualitätsweizen an der Wiener Getreidebörse um rund 65 Prozent auf über 300 Euro pro Tonne. Mitte Juni 2012 notierte die Tonne Qualitätsweizen in Wien bei 210,50 Euro.

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