„Sie sperrten uns ein“

Mithäftling packt aus: Das geschah vor Nawalny-Tod

Ausland
19.02.2024 14:00

Am Freitag starb Russlands wichtigster Oppositioneller Alexej Nawalny (47). Einer seiner Mithäftlinge sprach jetzt mit der Zeitung „Nowaja Gazeta“, was unmittelbar vor Nawalnys Tod in der Strafkolonie geschehen sei. „Sie sperrten uns ein, verboten jede Bewegung zwischen den Baracken und verschärften die Sicherheitsmaßnahmen“, erzählte er.

Zuvor sei am Donnerstagabend bereits die Durchsuchung beschleunigt worden. „Das passiert normalerweise an Feiertagen, wenn die Wärter es eilig haben, zu feiern“, wird er in der „Bild“ zitiert. „Dann sperrten sie uns ein (...). Wir hörten spät in der Nacht Autos auf das Gefängnisgelände fahren, konnten aber durch unsere Zellenfenster nicht sehen, um was es sich handelte.“ Nawalny und sein Mithäftling saßen in der abgelegenen Strafkolonie IK-3, die auch als „Polarwolf“ bezeichnet wird.

Gründliche Durchsuchung
Am Freitagmorgen sollen die Wärterinnen und Wärter die Zellen der Häftlinge gründlich durchsucht und mitunter Telefone und Kartenspiele beschlagnahmt haben. Es habe so gewirkt, als gebe es bald eine externe Inspektion. Von solchen erfahren Gefangene im Regelfall aber ungefähr einen Monat im Vorhinein. „Da muss etwas passiert sein“, sagte der Mithäftling. Gegen 10 Uhr habe sich schließlich die Nachricht von Nawalnys Tod verbreitet.

Zu spät Hilfe geleistet?
Der Krankenwagen sei erst gekommen, als der Tod des Putin-Kritikers bei den Häftlingen bereits bekannt gewesen sei. „Ich glaube (...), dass er schon viel früher gestorben ist, als offiziell verkündet wurde - höchstwahrscheinlich in der Nacht zuvor“, mutmaßte der Insasse. Auch die Inspektorinnen und Inspektoren sollen zeitgleich zur Bekanntgabe des Todes gekommen sein.

Ein Mitarbeiter des Notfalldiensts gab an, dass Nawalnys Leiche blaue Flecken gehabt hätte (siehe Video oben). Sie zeugten davon, dass der Oppositionelle vor seinem Tod Krämpfe gehabt und von Justizangestellten festgehalten wurde. Ein Bluterguss auf der Brust spreche dafür, dass noch versucht worden sei, Nawalny wiederzubeleben.

Kein Zugang zu Leiche
Bisher haben die Anwältinnen und Anwälte sowie die Mutter und Ehefrau des Regimegegners keinen Zugang zu der Leiche. Die Behörden warteten ab, bis keine Spur des Nervengifts Nowitschok mehr nachzuweisen seien, sagte die Witwe Julia Nawalnaja am Montag. Sie werde das Werk ihres Mannes fortführen und für ein freies Russland kämpfen, kündigte sie an. Sie sei etwa gegen Korruption und Ungerechtigkeit. „Ich habe keine Angst. Ich werde die Sache von Alexej Nawalny fortsetzen, kämpfen um unser Land. Ich rufe euch auf, an meiner Seite zu stehen.“

 krone.at
krone.at
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele