Bleiben im Altvertrag oder in den neuen wechseln? Geht bei 100.000 Kunden im Mai das Licht aus, wenn sie bleiben? Und was wusste Tirols Landeshauptmann Anton Mattle? Das waren die drängendsten Fragen im Landtag. Dieser zog gesetzlich ein „Sicherheitsnetz“ ein.
Verzweiflung, Unmut, Ärger: Der Landesenergieversorger Tiwag hat einmal mehr das ganze Land aufgeschreckt mit der massenhaften Kündigung von Altverträgen wegen vermeintlicher Rechtsunsicherheiten. Das war der Grund für den Sonderlandtag, einberufen mit den Stimmen von FPÖ, Grünen und Liste Fritz.
Hat LH Mattle von der Massenkündigung gewusst? Wenn ja, dann ist es ein Skandal. Wenn nicht, ebenso.
FP-Chef Markus Abwerzger
Dass das Tiwag-Management eine Reihe von Fehlern begangen habe, darin waren sich Regierung und Opposition ausnahmsweise einmal einig. Damit waren die Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder zu Ende. Denn die Opposition schoss sich massiv auf LH Anton Mattle ein. Dieser habe, obwohl er Eigentümervertreter des Landesunternehmens ist – nicht eingegriffen bzw. es zugelassen, dass die Tiwag „Drohbriefe“ an langjährige Kunden verschickt, mit der Aufforderung, in einen neuen Vertrag zu wechseln.
Die Tiwag hat einen großen Imageverlust erlitten und Vertrauen verloren. Sie muss Kundenbindung neu lernen.
LH Anton Mattle
„Räuberleiter“ des LH für das Tiwag-Management
„Kann sich irgendjemand vorstellen, dass sich der Tiwag-Vorstand das traut ohne Zustimmung des Landeshauptmanns? LH Mattle macht der Tiwag die Räuberleiter, und der schwarz-rote Aufsichtsrat schaut zu“, sagte Grünen-Chef Gebi Mair. Das Versprechen der Tiwag-Führung vom Juni 2023, in den Altverträgen bleiben zu können, hielt genau ein halbes Jahr, sagte Mair. „Kunden, die gegen die Änderungen klagen, werden vor Gericht Recht bekommen und dann drohen der Tiwag saftige Nachzahlungen“, prophezeite Neos-Chef Dominik Oberhofer und verwies darauf, dass die Neuverträge für die Tiwag auch anderweitig ungünstiger sind, weil sie Bonuszahlungen zuschießen muss.
Das Vorgehen der Tiwag gegenüber treuen Kunden ist wie ein Autounfall: Faszinierend und erschreckend zugleich!
Grünen-Chef Gebi Mair
Kritik auch vom VP-Koalitionspartner SPÖ
Diese sind womöglich auch der Grund, warum bereits zwei Drittel der 220.000 Tiwag-Kunden in die neuen Verträge wechselten, wie SP-Energiesprecher Christian Kovacevic berichtete. Aber dennoch: „So geht man mit den eigenen Kunden nicht um“, hielt er fest.
Die Tiwag zieht den Tirolern das Geld aus den Taschen und kündigt treuen Kunden. Was macht LH Mattle? Er taucht ab!
Liste-Fritz-Klubobmann Markus Sint
„Niemandem soll Strom abgedreht werden“
„Auslaufende Verträge, Hick Hack bei der Preisbildung, Gerichtsverfahren und Streitigkeiten mit Politik, Sozialpartnern und Kunden – das ist keine Tiroler Spezifikum, das passiert in so gut wie allen österreichischen Bundesländern“, betonte LH Mattle. Hier sei der Bund in der Pflicht. Er werde „nicht müde“, an die grüne Energieministerin Gewessler zu appellieren, „dieses heiße Eisen endlich in Angriff zu nehmen“.
Strom wird nicht gekappt
„Für uns gilt: Wir können und wollen aber nicht mehr länger auf den Bund warten, sondern gehen einen neuen und eigenständigen Weg mit einem Gesetz, das die Grundversorgung absichert“, betonte LH Mattle mit Blick auf die verunsicherten Kunden. Dieses soll verhindern, dass Haushalten und Kleinunternehmen ohne Neuvertrag der Strom gekappt wird. Die Novelle des Elektrizitätsgesetzes wurde gegen die Grünen beschlossen.
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