Sa, 23. Juni 2018

Innsbrucker Studie

04.05.2012 15:18

Ungeduldige Teens kaufen eher Alkohol und Zigaretten

Dass ungeduldige Menschen eher dazu neigen, zu rauchen oder Alkohol zu trinken, ist für Erwachsene schon seit Längerem nachgewiesen. Jetzt haben Ökonomen der Uni Innsbruck im Rahmen einer Untersuchung an über 600 Probanden zeigen können, dass auch ungeduldige Jugendliche eher Geld für Zigaretten und Alkohol ausgeben als geduldige.

"Wir zeigen nun erstmals, dass dieser Konnex schon bei Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren nachweisbar ist", sagt Matthias Sutter, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft an der Universiät Innsbruck. Mit Experimenten sind Ökonomen dort schon seit Jahren dem Verhalten von Menschen, insbesondere deren Umgang mit Geld, auf der Spur.

Sutter und Daniela Rützler haben in einer Studie nun erstmals das diesbezügliche Verhalten von Jugendlichen und Kindern erhoben: "Wir wussten bisher sehr wenig darüber, ob sich das ökonomische Verhalten, das Erwachsene an den Tag legen, bereits in der Jugend entwickelt - und wenn, in welchem Alter diese Entwicklung stattfindet", erklärt Sutter die Motivation für die Forschung.

Geduld und Risikobereitschaft gemessen
Um die Geduld zu messen, wandten die Forscher ein Forschungsdesign an, wie es auch bei Erwachsenen zum Einsatz kommt: Die Jugendliche mussten sich zwischen einem Geldbetrag, den sie sofort bekommen, und einem etwas höheren Geldbetrag in der Zukunft entscheiden. "Stark vereinfacht: Ein Jugendlicher, der bereit ist, drei Wochen für zwölf Euro zu warten anstatt zehn Euro sofort zu nehmen, wird als geduldiger eingestuft als ein Jugendlicher, der die zehn Euro sofort will", erklärt Sutter.

Das Experiment wurde insgesamt mit unterschiedlichen Geldbeträgen und Zeitspannen durchgeführt, über 600 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren aus Innsbrucker und Schwazer Gymnasien nahmen daran teil. Neben der Geduld erhoben die Wissenschaftler in einem zweiten Experiment auch die Risikobereitschaft der Jugendlichen, außerdem mittels Fragebogen deren Bereitschaft, für unterschiedliche Dinge Geld auszugeben - dabei wurde auch nach der Bereitschaft gefragt, Geld für Alkohol und Zigaretten auszugeben. Daneben verfügten die Forscherinnen und Forscher über Daten zum sogenannten Body Mass Index (BMI) der einzelnen Jugendlichen und über deren Betragensnoten in der Schule - natürlich jeweils anonymisiert.

Zusammenhang zwischen Geduld und Kaufverhalten
"Wir konnten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Risikobereitschaft oder BMI und dem Kaufverhalten feststellen - allerdings gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Geduld und dem Kaufverhalten, insbesondere der Bereitschaft, Geld für Alkohol und Zigaretten auszugeben", hält Sutter fest. Einen weiteren interessanten Zusammenhang konnten die Forscher zwischen der Betragensnote in der Schule und der Geduld feststellen: Je ungeduldiger Jugendliche waren, desto schlechter war diese Note.

In einer Folgestudie haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse nochmals verifiziert, indem sie Jugendlichen drei Jahre später erneut befragten. "In dieser Folgerunde konnten wir sehen, dass von den als ungeduldig eingestuften Jugendlichen in der Zwischenzeit signifikant mehr begonnen hatten zu rauchen als von den geduldigeren", erklärte der Ökonom.

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun den Gründen für diesen Zusammenhang auf die Spur zu kommen. "Natürlich ist es nicht so, dass jeder, der ungeduldig ist, automatisch zu rauchen beginnt. Aber der statistische Zusammenhang ist klar genug, und man muss bedenken, dass sich auch geringe Wahrscheinlichkeiten für gesundheitsschädlicheres Verhalten über die Jahre summieren, sodass ungeduldigere Jugendliche eine schlechtere Perspektive haben", sagt Sutter. Diese Erkenntnisse sei letztlich auch gesundheits- und bildungspolitisch relevant, so der Forscher.

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