Seit über 450 Jahren ein Wahrzeichen und Blickfang der ältesten Stadt Österreichs und nun ist Gefahr im Verzug: Der 1568 fertig gestellte, 59,3 Meter hohe Ennser Stadtturm mit seinen über 157 Stufen musste nun aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.
Nach einer statischen Überprüfung des Stadtturms wurden Mängel an der Fassade festgestellt. Aus Sicherheitsgründen wurde entschieden den Zugang zum Turm und Bereiche rund um den Turm ab sofort zu sperren. Aufgrund der Witterungsverhältnisse können die Sanierungsmaßnahmen erst im Frühjahr durchgeführt werden. SP-Stadtchef Christian Deleja-Hotko beruhigt: „Das ist eine reine Sicherheitsmaßnahme, zu der wir uns im Austausch mit dem Steinmetz entschieden haben. Unsere Silvester-Feierlichkeiten sind davon in keinster Weise betroffen.“
Kaiser Maximilian sei Dank
Der Ennser Stadtturm kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Kaiser Maximilian II. sei Dank - er erhörte 1564 die Ennser Bürger und genehmigte ihnen die Errichtung eines Glocken-, Wach- und Uhrturmes und stillte damit auch ihr Repräsentationsbedürfnis.
Turm für „tüchtige“ Ennser
„Der 59,3 Meter hoch aufragende Stadtturm sollte ein weithin sichtbares Zeichen für die Tüchtigkeit und Wohlhabenheit von Österreichs ältester Stadt sein, die in der Zeit des aufstrebenden Protestantismus durch den Handel mit Salz, Eisen und Leinwand eine Blütezeit erlebte. Reisende Kaufleute und Händler sollten von weitem sehen, dass hier tüchtige Menschen wohnen“, merkte einst Gottfried Kneifel, langjähriger Bundesrat und Ennser Stadtrat, im Gespräch mit der „Krone“ an.
Über 157 Stufen
1564 wurde am Hauptplatz unter „Maister Hansen von Mainz“ mit dem Turmbau begonnen - nach vier Jahren war das Werk vollendet. Zwei Uhren zeigen seither die Zeit an, Glocken schlagen die Stunde, und oben am Turm, der über 157 Stufen zu erklimmen ist, hatten Turmwächter die Sicherheit der Stadt Tag und Nacht im Auge. Über dem Eingangstor verkündet eine lateinische Inschrift: „Du siehst die kleine Stadt, ohne bedeutenden Namen. Für die jedoch Gott der Ewige in Liebe sorgt. Sie ist der Rest von Lauriacum. In dieser Gegend hat Markus mit Lukas Christi Lehre verkündet.“
1798 wollte das Kreisamt den „zur Unzierde stehenden und zu gar nichts dienenden Turm“ abreißen, was der Ennser Stadtrat gottlob verhinderte.
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