Peter Turrinis weltskeptisches Kammerspiel „Bis nächsten Freitag“ wurde nun in luxuriöser Besetzung an der „Josefstadt“ uraufgeführt: Stark gespielt, aber durchaus kürzbar!
Die „Josefstadt“ verfolgt eine erstaunliche Programmreform: In den Kammerspielen, traditionell ein Ort des Frohsinns, zertrümmern indignierte Kammerschauspieler Kleist und Wedekind. Im großen Haus finden dafür lebende Dramatiker Asyl vor den Textverwüstungen des Zeitgeists, zuletzt Kehlmann, Stoppard und der Identitätsstifter Turrini. Wobei das welt-, zeit- und lebensskeptische Kammerspiel „Bis nächsten Freitag“ seltsame Wege geht.
Zwei Schulkollegen treffen einander ein Leben später wieder. Der eine, ein resignierter Linker, ist Buchhändler, der andere ein nach rechts gekippter Romanistik-Dozent. Die beiden scheinen zunächst schematische Gut-/Bösmenschen-Befunde von obszön ausufernder Verzweiflung zu erörtern. Bis sich das Ganze in einem surrealen, hoch poetischen Finale legitimiert. Ein winziges Hochzeitspaar (Sascha Schicht, Andrea Mühlbacher) zeigt den Gefühlsverlierern, wie ein Leben glücken könnte, der Wirtshaussaal hat sich da schon als Vorkammer zum Totenreich offenbart.
Regisseur und Bühnenbildner Alexander Kubelka setzt das mit großer Stimmigkeit um, Marcello de Nardo und Silvia Meisterle arbeiten dem furiosen Protagonistenpaar gekonnt zu: Mit Erwin Steinhauer und Herbert Föttinger kann nichts misslingen. Eine Kürzung um 30 Minuten wäre dennoch kein Fehler.
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