In seiner neusten Kolumne erzählt Autor Robert Schneider von einem Gerichtsstreit zwischen der Filmlegende Robert De Niro und seiner Assistentin. Die Konsequenz: De Niros Firma wurde zu einer Zahlung von 1,1 Millionen Dollar verdonnert.
Die #Mee Too-Debatte ist vorbei. Gibt ja andere Sorgen auf der Welt. Hat sich die Filmikone Robert De Niro vermutlich auch gedacht. Aber selbst er, der immer alles im Griff hat und sein Leben lang ohne Skandale ausgekommen ist, musste dieser Tage erfahren, dass es auch ihn kalt erwischen kann. „You are talking to me?“
Eigentlich ist die Sache schon länger her. Die ehemalige Assistentin De Niros, Graham Chase Robinson (41), die in seiner Produktionsfirma elf Jahre gearbeitet hatte, zeigte ihren Boss an, nachdem er sie angezeigt hatte. Dem „Chamäleon“ (so sein Spitzname in Hollywood, weil er so wandlungsfähig ist) stank die Sache schon lang. Sein Vertrauen habe diese Robinson gebrochen, ihm dreist Flugmeilen im Wert von 85.000 Dollar geklaut, obwohl er ihr Gehalt auf satte 300.000 Dollar angehoben und sie noch zur Vizepräsidentin für Dingsda in der Firma befördert habe.
Im Lauf des Prozesses warf Robinson dem Schauspieler vor, sich ihr gegenüber despektierlich geäußert und mehrmals „engen Körperkontakt“ gesucht zu haben. De Niro habe von ihr verlangt, ihm den Rücken zu kratzen, was eklig und entwürdigend gewesen sei. Außerdem habe sie „typische Frauentätigkeiten“ verrichten müssen. Seine Wäsche waschen und seine Wohnung putzen. Klar, das ist wirklich unangemessen, wenn man grade mal 300.000 Dollar verdient. Was denkt sich dieser „Noodles“ und „Taxi Driver“ überhaupt, wer er ist? So wird die aufgrund ihres Geschlechts Schikanierte wohl im Gerichtssaal gefühlt haben. Er selbst war als Zeuge anwesend und grummelte: „Alles Blödsinn.“
Die Jury gab Robinson Recht, und De Niros Firma wurde wegen Diskriminierung zu einer Zahlung von rund 1,1 Millionen Dollar verdonnert. Beide Parteien verbuchten das Urteil als Sieg. Du kleine, miese Ratte, wird sich unser Filmheld gedacht haben, als er das Gerichtsgebäude stehenden Fußes verließ.
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