Di, 21. August 2018

Streit eskaliert

23.03.2012 16:38

Gewerkschaft provoziert AUA mit KV-Kündigung

Der Streit zwischen der AUA und ihrem fliegenden Personal eskaliert: Die Gewerkschaft vida hat Freitagmittag den Kollektivvertrag der Austrian-Tochter Tyrolean gekündigt - gegen den Willen der Belegschaft. Die AUA hatte zuvor im Bemühen um Gehaltsreduktionen den Kollektivvertrag ihrer Piloten und Flugbegleiter gekündigt und damit gedroht, das fliegende Personal in den deutlich günstigeren Tyrolean-KV überzuführen. Das dürfte nun unmöglich geworden sein.

Die Gewerkschaft bezeichnete ihre Kündigung in einer Aussendung als "Vorsichtsmaßnahme" und will damit Druck für weitere Verhandlungen machen. Hätte man nicht gehandelt, dann hätte die Fluglinie durch die Überführung des Bordpersonals in den Tyrolean-Vertrag einseitig die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verschlechtern können, begründet der Vorsitzende der vida-Sektion Verkehr, Gottfried Winkler, die Maßnahme.

AUA verlangt Einsparungen bis 5. April
Sobald es "gesicherte Verhandlungsergebnisse" für das fliegende Personal gebe, sei die Gewerkschaft bereit, die Kündigung des Tyrolean-KV wieder zurückzunehmen, verspricht Winkler. Bei Tyrolean sind von der KV-Kündigung rund 950 Mitarbeiter betroffen. Die am 15. Februar von der Arbeitgeberseite ausgesprochene einseitige Kündigung des AUA-Kollektivvertrages betrifft rund 2.400 Beschäftigte.

Die AUA verlangt bis 5. April umfangreiche Kosteneinsparungen beim fliegenden Personal und bereitet als Alternative den Übergang des AUA-Flugbetriebs zu Tyrolean - mit automatischer Eingliederung in den Tyrolean-KV - vor.

Bisher verhandelte der Betriebsrat über neue Konditionen mit dem AUA-Management, am Mittwoch habe sich die vida eingeschaltet, so Winkler in einer schriftlichen Stellungnahme. Betriebsrat und Gewerkschaft hätten der Geschäftsführung Einsparungseffekte im Wert von bis zu 47 Millionen Euro angeboten. Dazu hätten längere Flugzeiten, eine "Streckung" der jährlichen Inflationsanpassung und der Biennalsprünge sowie ein Umstieg vom leistungs- auf ein beitragsorientiertes Modell bei der Alterssicherung beitragen sollen. Außerdem hätten die Arbeitnehmer den Umstieg des Bordpersonals in einen günstigeren "AUA-KV neu" angeboten, so Winkler.

Betriebsrat auf den Barrikaden
Die KV-Kündigung vom Freitag erfolgte allerdings gegen den Willen der dadurch betroffenen Tyrolean-Belegschaft: Die Kündigung sei "ohne unser Einverständnis und ohne den Betriebsrat Bord vorher über ihr Vorhaben zu informieren" erfolgt, so Alexandra Patzal vom Betriebsrat. "Herr Gottfried Winkler von der vida hat damit eindeutig seine Kompetenzen überschritten. Die Arbeitsgrundlage von fast 1.000 Mitarbeitern aus 'taktischen Gründen' quasi als Faustpfand in die Verhandlungen zu nehmen, ist eine unglaubliche Vorgehensweise und des ÖGB unwürdig."

Dass Sozialpartner gegen den Willen der Belegschaft die Arbeitsgrundlage entreißen, "ist in Österreich einmalig und stellt unseres Erachtens die gesamte Einrichtung 'Gewerkschaft' in Frage", ärgert sich Patzal. "Wir werden selbstverständlich gegen die Kündigung unseres Kollektivvertrages vorgehen."

AUA: Maßnahme der Gewerkschaft "behindert uns nicht"
Die AUA will bei ihrem Plan bleiben, den Flugbetrieb in die Regionalflugtochter zu überführen. Der Schritt der Gewerkschaft "verwundert uns etwas, behindert uns aber auch nicht", sagte Unternehmenssprecher Peter Thier am Freitagnachmittag. So oder so würden die Mitarbeiter "gute Arbeitsbedingungen vorfinden" und auch Emirates oder flyniki "fliegen ohne Kollektivvertrag gut".

Aus Sicht der AUA bleibt der Tyrolean-Kollektivvertrag - wie auch der vom Arbeitgeber gekündigte AUA-Kollektivvertrag - bis zur Aushandlung eines neuen Arbeitsabkommens bestehen. Sollte dies aber für die Überführung des Flugbetriebs zu Tyrolean nun nicht mehr gelten, werde man den Piloten trotzdem einen attraktiven Vorschlag machen. Wer das Angebot nicht annehmen wolle, habe das Recht auf Selbstkündigung. Die AUA geht weiter davon aus, dass nicht sehr viele Piloten die AUA verlassen werden.

Der frühest mögliche Termin für die Überführung des Flugbetriebes ist der 1. Juli. Die AUA hält bis zur endgültigen Entscheidung die Tür für Verhandlungen mit der Gewerkschaft offen, verlangt aber einen "konstruktiven Vorschlag, der die AUA nachhaltig sanieren hilft und nicht auf Einmaleffekte zurückgreift", so Thier.

Flugtickets werden teurer
Angesichts der Eskalation des Streits bei der AUA ging am Freitag beinahe die Meldung unter, dass das Unternehmen am 2. April die Ticketpreise anhebt. Auf Europaflügen steigen die Preise um zehn Euro, auf der Langstrecke werden in der Economy-Klasse 20 Euro aufgeschlagen, in der Business-Klasse werden 60 Euro zusätzlich fällig. "Die aktuelle Ertragslage und ein permanenter Kostendruck machen diesen Schritt notwendig, um die verfallenden Ticketpreise und die steigenden externen Kosten abzufedern", begründete AUA-Pressesprecher Michael Braun die Preiserhöhung. Die "redtickets" ab 99 Euro werde es aber weiterhin geben.

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