Mi, 22. August 2018

Mit 96,96 Prozent

03.12.2011 15:21

Bauernbund kürt Jakob Auer zum neuen Präsidenten

Nach dem überraschenden Rückzug von Fritz Grillitsch hat der ÖVP-Bauernbund am Samstag den oberösterreichischen Abgeordneten Jakob Auer mit 96,96 Prozent zum neuen Präsidenten gekürt. Bei einem außerordentlichen Bundesbauernrat demonstrierte die Volkspartei Einigkeit, Vertreter aller Teilorganisationen waren gekommen. Auer sicherte den Delegierten "hundertprozentigen Einsatz" zu und erklärte, dass man der ÖVP den Rücken stärken werde.

"Als ich mit 28 Bürgermeister (von Fischlham, Anm.) wurde, war ich allen zu jung", spielte Auer darauf an, dass er die neue Funktion nun im reifen Alter von 63 Jahren übernimmt. Aber er werde diese Aufgabe bewältigen. Seine Mannschaft sei ausgezeichnet, er werde alle fordern, betonte der Präsident. Er könne, auch über die Parteigrenzen hinweg, durchaus ruhig und gelassen sein. "Ich trete aber nicht an, um einen Harmoniepreis zu gewinnen", sagte Auer und erklärte erneut, dass er kein Übergangskandidat sei.

"Wir brauchen eine produzierende Landwirtschaft"
In seiner Ansprache pochte Auer auf "eine Landwirtschaft in bäuerlicher Hand", die einen Teil der Energie der Zukunft sicherstelle. Die Vorschläge der EU-Kommission zur Agrarreform seien zu hinterfragen. Es brauche eine produzierende und nicht eine stillgelegte Landwirtschaft, kritisierte der neue Bauernbund-Chef "bürokratische Greening-Maßnahmen".

Auer sprach sich auch gegen finanzielle Belastungen aus, den bäuerlichen Familien stehe auch ein Anteil an einer positiven Entwicklung zu. Auer verlangte außerdem, in der seit Monaten mit Gesundheitsminister Alois Stöger schwelenden Diskussion um die umstrittenen Kastenstände beim Ferkelschutz nicht auf die Sicherheit der Landwirte zu vergessen. Der Präsident, der Rohstoffspekulationen ablehnt, will zudem auf einen "verstärkten Dialog und Meinungsaustausch" mit allen ÖVP-Teilorganisationen und "Stabilität in schwierigen Zeiten" setzen.

Auer will Amt "mit voller Kraft" betreiben
Beim Bundesbauernrat gab Auer bekannt, dass er seine Funktion als Genossenschaftsanwalt beim Raiffeisenverband Oberösterreich zurücklegen werde, um das neue Amt "mit voller Kraft" betreiben zu können. Zuletzt war er als Ämter-Multi in die Schlagzeilen geraten, laut der Datenbank der zivilgesellschaftlichen Projektplattform Respekt.net ist der Politiker im Parlament die Nummer eins bei Nebenjobs. In den vergangenen Wochen hatten Sponsorgelder der Telekom Austria an die dem Bauernbund nahestehende Organisation Forum Land für Wirbel gesorgt. Auer erklärte, dass er sich das "genau ansehen" werde.

Lange Liste an Gratulanten aus den eigenen Reihen
Unmittelbar nach der Wahl Auers standen die Gratulanten in der ÖVP schon Schlange: Parteichef Michael Spindelegger, Generalsekretär Hannes Rauch, Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich, Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner und Frauenchefin Dorothea Schittenhelm gratulierten dem neuen Bauernbund-Präsidenten. Als einziger Kritiker meldete sich BZÖ-Bündniskoordinator Markus Fauland, der Auer vorhielt, nun zu "seinem elften Nebenerwerb" zu kommen.

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