Unglück bei Seilbahn

Löste Heeresflugzeug tödlichen Arbeitsunfall aus?

Kärnten
22.05.2023 13:30

Über vier Jahre ist es her, dass ein Familienvater bei Wartungsarbeiten an der Seilbahn am Goldeck getötet wurde. Warum ist nach wie vor ungeklärt - denn dass eine Bundesheermaschine vom Typ Hercules durch einen Tiefflug das Unglück ausgelöst hatte, hält ein Gutachter für „physikalisch unmöglich“.

Im April 2019 geschah das Unglück: Mitarbeiter der Goldeck-Bergbahnen waren im Spannwerk der Mittelstation mit Wartungsarbeiten beschäftigt. Konkret wurde das Tragseil zur Entlastung zentimeterweise zwischen Spannböcken gelockert - doch die Böcke wurden aus der Verankerung gerissen, das Stahlseil schnellte hoch und tötete einen Mann. Was könnte so eine Kraft verursacht haben?

In Verdacht geriet ein Pilot des österreichischen Bundesheeres, der zum Unfallzeitpunkt mit einer Transportmaschine in Oberkärnten unterwegs war. Zeugen schilderten, dass die Hercules C-130 „tief“ und nahe der Seilbahn geflogen sein soll. „Es wurde auch ein Knall wie bei einem Erdbeben wahrgenommen“, sagt Anwalt Gabriel Goess, der gemeinsam mit Kollegen eine Amtshaftungsklage gegen die Republik eingebracht hat: Das Militärflugzeug hätte das Unglück verursacht. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hatte dies ebenfalls untersucht, ein Gutachten brachte jedoch keinen Beweis für diese Theorie.

„Adler mehr Kraft als Wirbelschleppen!“
Und auch im Zivilverfahren erteilte der deutsche Luftfahrtexperte Stefan Levedag den Klägern eine Abfuhr: „Ich habe untersucht, ob die sogenannten Wirbelschleppen eines Transportflugzeuges das Unglück ausgelöst haben können. Und ich kann ganz klar sagen: Nein.“ Die Kräfte, die durch die Herkules auch bei einem „auszuschließenden Tiefflug“ auf das tonnenschwere Stahlseil gewirkt hätten, seien „minimal, quasi nichts. Ein 5 Kilogramm schwerer Adler, der sich auf das Seil setzt, löst einen größeren Impuls aus als die Wirbelschleppen.“ Es sei also „physikalisch unmöglich“, dass der Heerespilot verantwortlich sei. Die Klage wurde abgewiesen, nicht rechtskräftig.

Was aber hat dann das Unglück ausgelöst? Materialermüdung und technische Gebrechen waren bisher bereits ausgeschlossen worden. An menschliches Versagen möchte bei dem tragischen Unglück niemand denken. Die Klags-Anwälte bringen noch eine neue Variante ins Spiel: „Das Flugzeug hat das Seil berührt“, behaupten sie plötzlich. Gutachter Levedag bleibt skeptisch: „Auch das ist auszuschließen. Bei einer Seilberührung, wie es bei Unglücksfällen selten, aber doch vorgekommen ist, wäre die Maschine schwer beschädigt worden und alle Soldaten an Bord hätten es gemerkt!“

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