Tragödie um Ehepaar

Auf Flucht vor Flammen in der Toilette erstickt

Oberösterreich
07.05.2023 11:40

Feuerwehrleute konnten erst nach 17 Stunden die Brandruine von Seewalchen in Oberösterreich betreten. Die Helfer fanden beide Leichen eines Senioren-Ehepaares. Die Stunden bis zur Bergung waren dramatisch. Das Feuer soll laut aktuellem Ermittlungsstand in der Küche ausgebrochen sein, Hinweise auf Fremdverschulden gibt es nicht.

„Wir hoffen immer noch, dass die beiden Bewohner plötzlich anrufen und fragen, was denn in der Nacht mit ihrem Haus passiert sei. Aber wenn sie daheim waren, dann haben sie keine Chance gehabt“, sehnte Seewalchens Bürgermeister Gerald Egger (VP) Samstagfrüh noch ein Wunder herbei. Er war selbst vor Ort, als am Freitag kurz nach 18 Uhr Feuer in dem Einfamilienhaus in der Ortschaft Rosenau ausbrach und das Bangen um ein dort wohnendes älteres Ehepaar begann.

Absichern des Gebäudes dauerte mehrere Stunden
16 Feuerwehren bekämpften die ganze Nacht den Vollbrand. Samstagvormittag gingen immer noch vereinzelt Glutnester an. Während der stundenlangen Löscharbeiten beschäftigte die Einsatzkräfte vor allem eine Frage: Wo sind die beiden Bewohner geblieben?

Die 61-jährige Frau und ihr Ehemann (64) hatten jahrzehntelang in dem Haus gelebt, von dem nur eine Ruine übrig blieb. Weil das Gebäude massiv beschädigt war, durften die Helfer selbst mit schwerem Atemschutz das Haus zunächst nicht betreten. „Es war zu gefährlich, jemanden hineinzuschicken“, sagte Christian Mayerhofer, Kommandant der FF Seewalchen. Auch die Tochter des Paares musste draußen warten. Sie und andere Angehörige wurden vom Kriseninterventionsteam betreut.

Frau flüchtete vor den Flammen auf Toilette
Als Bürgermeister Egger im „Krone“-Gespräch Samstagfrüh die Hoffnung noch nicht aufgeben wollte, waren die Einsatzkräfte gerade damit beschäftigt, mit einem Kran den Dachstuhl zu entfernen. Weiters stützte die Feuerwehr die Brandruine mit Pfeilern ab, um das Gebäude statisch zu sichern.

Gegen 13.30 Uhr, mehr als 17 Stunden nach Ausbruch des Feuers, konnten Einsatzkräfte das völlig ausgebrannte Einfamilienhaus endlich betreten. Die Befürchtungen bestätigten sich: Feuerwehrleute fanden zunächst die Leiche der Frau. „Sie war offenbar aufs Klo geflüchtet, wo es nicht brannte. Dort dürfte sie an Rauchgasen erstickt sein“, so Mayerhofer. Der 64-jährige Hausbesitzer soll bettlägerig gewesen sein, sich in Panik aber noch ins obere Badezimmer geflüchtet haben. Die Helfer bargen den Toten aus den Trümmern.

Anrainer gewährten den Nachbarn Unterschlupf
„Das Ehepaar wohnte seit Ewigkeiten hier“, sagt Ortschef Egger. „Die Nachbarn waren geschockt, als der Brand ausbrach. Trotzdem standen alle füreinander ein.“ Jene Anrainer, deren Häuser auf der windabgewandten Seite standen, hatten andere Nachbarn sofort bereitwillig bei sich aufgenommen. „Auch die mehr als 200 Einsatzkräfte, von der Feuerwehr bis zur Wassergenossenschaft, haben gut zusammengearbeitet. Besser an einem Strang ziehen hätten sie nicht können“, bedankt er sich bei den vielen Helfern.

Brandausbruch in der Küche
Die Einsatzkräfte hatten trotz des starken Windes in der Brandnacht noch verhindern können, dass die Flammen auf angrenzende Wohnhäuser überschlugen. Die genaue Ursache des Feuerausbruchs blieb vorerst noch ungeklärt, dieser war jedenfalls in der Küche erfolgt, wie Untersuchungen bestätigten. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nach derzeitigem Ermittlungsstand aber nicht - das LKA ermittelt.

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