Beliebte „Snus“

Der Nikotin-Kick im Kinderzimmer als Mega-Trend

Oberösterreich
23.04.2023 11:00

Im Bett vor dem Schlafen oder während des Unterrichts: Jugendliche stecken sich beinahe überall sogenannte „Snus“ in den Mund. Auch 12- und 13-Jährige nehmen die süchtigmachenden Beutel. Doch wie gefährlich ist das?

Es sind kleine Säckchen, nur wenige Zentimeter lang. Der Boom um sie ist aber riesig. Nikotinbeutel, auch als „Snus“ bezeichnet, sind unter Jugendlichen derzeit der Renner. Man zwickt sie im Mund zwischen Zahnfleisch und Oberlippe ein. Dort bleiben sie dann rund 20 Minuten und geben das Nikotin ab, das die meist jungen Konsumenten über die Schleimhäute aufnehmen.

Heimlich konsumieren
Der „Vorteil“ der Beutel: „Sie fallen viel weniger auf als das Rauchen von Zigaretten“, sagt Nicole Hartmann vom Institut Suchtprävention. „Wenn etwa die Polizei vorbeifährt, merkt sie nicht, wenn die jungen Leute Nikotinbeutel im Mund haben.“ Man kann also heimlich konsumieren, auch vor Eltern versteckt. Das würden manche ausnutzen und sich die berauschenden Säckchen sogar während des Schulunterrichts hinter die Lippen klemmen.

(Bild: Scharinger Daniel)

„Die Jugendlichen nehmen die Nikotinbeutel meist zum Entspannen“, sagt Hartmann, die an der Auswertung einer Befragung von jungen Oberösterreichern beteiligt war. Viele würden die Beutel im Kinderzimmer noch vor dem Schlafengehen im Bett konsumieren. „Die Jugendlichen sagen, damit können sie besser einschlafen.“ Andere bekommen laut der Befragung einen Kick, nehmen die Nikotinbeutel etwa vor dem Fußballtraining.

Körper nimmt mehr Nikotin auf
Was ist nun gefährlicher: die klassische Zigarette oder der neue Hype? In der altbekannten „Kippe“ sind Nikotin und Tabak enthalten. Bei der Verbrennung entstehen schädliche Stoffe, die auch noch inhaliert werden. Die Nikotinbeutel hingegen sind tabakfrei und landen nicht direkt in der Lunge. Allerdings nimmt der Körper über die Schleimhäute mehr vom süchtigmachenden Nikotin auf. „Und die Langzeitschäden der Beutel sind, anders als die der Zigaretten, noch nicht erforscht“, warnt Hartmann.

Landesrat will Anpassung im Gesetz
Auch gesetzlich fehlt eine eindeutige Regelung. Denn die Beutel fallen nicht in das heimische Tabakgesetz. Der zuständige Landesrat Michael Lindner (SPÖ) will die Nikotinbeutel nun über das Jugendschutzgesetz für unter 18-Jährige verbieten. Bis dahin dürfte der Hype weitergehen. „Früher galt das Rauchen als cool, heute sind es die Nikotinbeutel“, sagt Hartmann.

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