Sie ist ein Politik-Phänomen, das weit über die Grenzen von Graz hinaus beobachtet wird: Elke Kahr. Nun ist ein neues Buch über sie erschienen. Wieso sie nicht in die Landespolitik geht, warum ihr Russland-Fragen auf die Nerven gehen und weshalb sie auch für Unternehmer da ist.
„Was anderes als Kommunalpolitikerin will ich eigentlich nicht sein“, schlägt Elke Kahr gleich zu Beginn des Gesprächs mit der „Krone“ Gerüchte in den Wind, dass sie auf Landes- oder gar Bundesebene die KPÖ zu ähnlichen Erfolgen wie in Graz führen soll. In der steirischen Landeshauptstadt ist sie ja seit gut eineinhalb Jahren Bürgermeisterin. „Ich mache meine Arbeit gerne. Die Menschen brauchen Kommunalpolitiker, wo sie das, was sie stört und sie verändert haben wollen, deponieren können. Deshalb ist wichtig, dass man greifbar ist - und sagt, wenn man etwas nicht ändern kann.“
„Es geht auch anders“
Diese niederschwellige Erreichbarkeit ist seit Jahrzehnten das Erfolgsrezept von Kahr, das sie nun auch in einem Buch präsentiert: „Es geht auch anders“ nennt sich das Werk, das aus Gesprächen mit Journalistin Silvia Jelincic entstanden ist. Honorar bekommt Kahr keines: „Die Arbeit hatten ja Frau Jelincic und der Verlag.“
Die Bescheidenheit passt zum Image von Kahr: Immer noch spenden sie und ihre Parteigenossen einen Großteil ihres Gehalts. Und auch parteipolitisches Kalkül bei Postenbesetzungen in der Stadt versuche sie zu vermeiden: „Jede Partei soll, wenn möglich, in jedem Gremium und Aufsichtsrat vertreten sein, weil sie einen Teil der Grazer Bevölkerung repräsentiert“, erklärt sie.
Stimme für jene, die „keine Lobby hinter sich haben“
Und auch das Konkurrenzdenken ist bei Kahr - zumindest öffentlich - nicht extrem ausgeprägt. Über Andreas Babler, Kandidaten für den SPÖ-Vorsitz, sagt sie etwa: „Ich freue mich über jeden Politiker, der glaubhaft seine Stimme für jene erhebt, die keine starke Lobby hinter sich haben.“
So uneitel Kahr auch ist, ist sie als Kommunistin trotzdem eine polarisierende Figur: „Das Einzige, was mir an meinem Job aktuell keine Freude bereitet, ist, dass ich dauernd erklären muss, dass wir als KPÖ in Graz nichts mit dem zu tun haben, was heute in Nordkorea oder Russland passiert. Wir sind meilenweit davon entfernt, und das müsste mittlerweile wirklich schon allen klar sein.“
Reaktion auf Kritik
Mit Aussagen über den Ukraine-Krieg sorgte sie im Vorjahr dennoch für Aufsehen: „Ich komme aus der Friedensbewegung und kann keinen Krieg bejubeln. Ich finde, die Kraft, die man aktuell in Aufrüstung steckt, sollte man in Friedensverhandlungen stecken.“ Kahr fügt aber auch an: „Ich bin keine Expertin.“
Und auch ihre mangelnde Wirtschaftspolitik wird immer wieder kritisiert: „Es ist ein großer Trugschluss, dass die KPÖ sich nur um Sozialpolitik und Wohnungsfragen kümmert“, versucht sie zu erklären. „Es gibt viele Gewerbetreibende, die uns unterstützen, und ich habe auch für jeden Unternehmer eine offene Tür und höre mir an, wo sie Hilfe brauchen. Und wo es vernünftig ist, helfe ich auch - so wie ich es bei allen mache.“
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