Vater bleibt in Haft

Masha nach kriegskritischer Zeichnung bei Mama

Ausland
07.04.2023 13:35

Das Drama um einen alleinerziehenden Vater und seine Tochter in Russland, die wegen einer Kinderzeichnung gegen die Ukraine-Offensive getrennt wurden, geht in die nächste traurige Runde: Noch bevor ein russisches Gericht über den endgültigen Sorgerechtsentzug des inzwischen zu zwei Jahren Haft verurteilten 54-Jährigen entscheiden sollte, wurde nun bekannt, dass seine Tochter Masha in die Obhut der Mutter gegeben wurde. Die beiden hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen.

Der Fall von Alexej Moskaljow und seiner 13-jährigen Tochter Masha aus der rund 300 Kilometer südlich von Moskau gelegenen Kleinstadt Jefremow hatte auch international für Schlagzeilen gesorgt. Auch in Russland erhielt eine Online-Petition, in der die Rückkehr Mashas zu ihrem Vater gefordert wurde, mehr als 145.000 Unterschriften - trotz der Repression seitens der Regierung im Land.

Zwei Jahre Haft für Mashas Vater wegen „Diskreditierung“ der Armee
Nachdem das Mädchen in der Schule eine Zeichnung angefertigt hatte, in der eine Frau und ein Kind mit ukrainischer Fahne von Raketen bedroht werden, schalteten sich die Behörden ein. Sie fanden bei Mashas Vater kritische Internetkommentare. Das Mädchen kam daraufhin in ein Heim, ihr Vater wurde wegen „Diskreditierung“ der russischen Armee zu zwei Jahren Haft verurteilt. Noch vor der Anhörung flüchtete Moskaljow aus dem Hausarrest, wurde aber zwei Tage später in Weißrussland gefasst.

Am Vorabend der entscheidenden Gerichtsanhörung über das weitere Schicksal von Vater und Tochter am Donnerstag gaben die Behörden bekannt, dass Mashas Mutter Olga Sitschichina plötzlich wieder aufgetaucht sei und das Kind zu sich genommen habe.

Masha wollte Mutter anfangs nicht sehen
„Hoffen wir, dass es Mutter und Tochter gut geht“, erklärte die umstrittene Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa auf Telegram. „Masha wollte ihre Mutter anfangs nicht sehen“, schrieb Lwowa-Belowa. „Aber sie hat ihre Meinung geändert, das hat sie mir selbst am Telefon gesagt.“ Gegen Lwowa-Belowa liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) wegen des Vorwurfs der Verschleppung ukrainischer Kinder vor.

Brief von Vater: „Frag nach deinem Papa“
Seit seiner Festnahme in Weißrussland ist Alexej Moskaljow nicht mehr gesehen worden. Die Bürgerrechtsorganisation OWD-Info veröffentlichte aber am Donnerstag einen kurzen Brief des 54-Jährigen an seine Tochter, der von seinem Anwalt weitergeleitet wurde. Auf dem hastigen gekritzelten Zettel bittet Moskaljow seine „Maschenka“, durchzuhalten - es gebe Menschen, „die nach Möglichkeiten suchen, dir zu helfen“. Sie solle zustimmen, wenn Verwandte das Sorgerecht für sie beantragen wollten. „Das ist besser als in einem Waisenhaus zu sein.“ Dann schreibt er seiner Tochter noch: „Wenn du zum Gericht gebracht wirst, frag nach deinem Papa. Bitte den Richter mit Nachdruck darum.“

In der vergangenen Woche hatte Masha ihrem Vater einen herzzerreißenden Brief geschrieben: „Papa, du bist mein Held“, hieß es darin. „Ich liebe dich sehr, du bist unschuldig, ich werde immer an deiner Seite sein.“ Alles werde gut, schrieb die 13-Jährige weiter: „Ich weiß, dass du nicht nachgeben wirst, du bist stark, wir sind stark.“

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