Gebet im Gericht

Tote bei Verfolgungsjagd: Lange Haft für Schlepper

Burgenland
28.02.2023 17:02

Vor der Polizei flüchtete ein Schlepper in Kittsee im Burgenland. Er verlor die Kontrolle und der Wagen überschlug sich: Drei Menschen starben. Jetzt musste sich der Tschetschene in Eisenstadt vor Gericht verantworten.

Nicht weniger als 22 Illegale hatte Adam K. in einen nicht mehr verkehrstüchtigen Kastenwagen gepfercht, um sie nach Österreich zu bringen. Als er bei der Einreise aus der Slowakei in Kittsee kontrolliert wurde, zeigte sich der staatenlose Tschetschene zunächst kooperativ, übergab den Beamten seinen Pass und stieg aus dem Fahrzeug aus.

Raste vor Polizei davon
„Uns kam der Wagen verdächtig vor“, so ein Polizist am Dienstag vor Gericht. Die Beamten forderten K. auf, den Laderaum zu öffnen: „Danach ging er seelenruhig zurück zur Fahrerkabine, und tat so, als wollte er den Schlüssel holen. Doch er stieg ein und trat aufs Gas. Ich versuchte, ihn aus dem anfahrenden Wagen zu zerren, was mir nicht gelang“, so der Beamte weiter. K. selbst sei „eiskalt“ gewesen und habe dem Beamten dabei noch den Pass aus der Hand gerissen, um eine Identifizierung zu vermeiden. Dann raste er davon, die Polizeistreife hinterher.

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In letzter Sekunde riss er den Ducato plötzlich nach rechts in Richtung Ausfahrt und verlor dabei die Kontrolle über das Fahrzeug.

Ein Polizist im Zeugenstand

Tödlicher Unfall nach Verfolgungsjagd
Nach zwei Kilometern überschlug sich der Wagen, die Insassen wurden herausgeschleudert. Traurige Bilanz: drei Tote, darunter eine junge Mutter, 19 zum Teil schwer Verletzte. Ein Polizist: „Zunächst sah man nur Staub, denn es war Sommer und der Boden trocken. Als sich der Staub legte, wurde die Dramatik der Situation offenbar.“ Die Beamten wuchsen dabei über sich selbst heraus.

(Bild: Christian schulter)
(Bild: Christian schulter)

Obwohl sie nur zu zweit waren, schafften sie, es die Verletzten zu versorgen, weitere Einsatzkräfte nachzufordern und den flüchtenden Schlepper festzunehmen. Mehrere ÖAMTC-Notarzthubschrauber und Rotkreuz-Fahrzeuge transportierten die Opfer in Krankenhäuser. Auch Feuerwehr und Exekutive standen im Großeinsatz.

Beim Prozess in Eisenstadt stellte sich Schlepper Adam K. gewissermaßen als „Business-Class“-Schlepper dar, der sogar extra Essens- und Gebetspausen für die „Passagiere“ gemacht habe. Schuld am Crash sei ohnedies nur die Polizei, die ihn „abgedrängt“ habe, was durch Zeugenaussagen als glatte Lüge entlarvt wurde. Auch seine Aussage mit den Pausen dürfte im Reich der Märchen zu verorten sein. Denn die geschleppten Migranten hatten schon bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass der Fahrer keine Pausen gemacht habe. Die Geschleppten hätten in dem engen, stickigen Kastenwagen Todesangst und Atemnot gehabt.

Gebet für mildes Urteil
Während der Urteilsberatung begann der Strenggläubige im Gerichtssaal plötzlich zu beten. Genutzt hat es nichts. Der Senat verhängte sechs Jahre unbedingte Haft. Außerdem muss K. 10.000 Euro Schmerzensgeld an jene Familie bezahlen, die ihre Mutter verlor.

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung beschwerte sich der Angeklagte via Dolmetscherin darüber, dass er keine „teilbedingte Strafe“ bekommen hatte und erklärte, über seinen Pflichtverteidiger „volle Berufung“ anzumelden, da ihm das Urteil zu streng sei. Berufung meldete übrigens auch die Staatsanwaltschaft an - sie möchte den skrupellosen Menschenschmuggler nämlich gerne länger als sechs Jahre hinter Gittern sehen.

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