Noch vor der Eskalation in Gmünd zückte ein junger Asylant das Handy und filmte mit. Der „Krone“ liegt das einminütige Video vor, das einige Überraschungen bereithält. Die Schlägerei bot ordentlich Zündstoff für die Asyldebatte weit über die Waldviertler Grenzen hinaus. Die Aussagen beider Parteien könnten konträrer nicht sein
Der Vorfall, bei dem sich in Gmünd vier Asylanten zwischen 14 und 17 Jahren mit einem Busfahrer schlugen, fand am 10. Februar statt. Die Gemüter im Waldviertel laufen indes heiß. Es scheint nur mehr Null oder Eins zu geben – an die Möglichkeit einer Teilschuld von beiden Parteien möchte kaum jemand glauben. Neue Brisanz besitzt nun ein Video, das einer der Burschen drehte und das der „Krone“ vorliegt.
Lenker wollte Asylanten rauswerfen
Der Film zeigt die Situation direkt vor dem Handgemenge, die mit der zertrümmerten Kniescheibe des Buslenkers endete. Der Fahrer steht bei den Burschen im hinteren Teil des Busses. „Das ist mir wurscht. Wenn man sich nicht benehmen kann - aussteigen“, sagt er mit lauter, aufgebrachter Stimme. Die Asylanten sind ruhig, entschuldigen sich, bleiben sitzen. Es ist der letzte Bus des Abends, der in das sieben Kilometer entfernte Schrems fährt.
Samma per du!?
Der Busfahrer
Die Situation eskaliert
Der Lenker holt darauf von vorne eine Flasche, vermutlich mit Putzmittel, und wirft es lasch einem Flüchtling zu. Behauptet wird, dass sie einen Burschen im Gesicht getroffen hat. „Hey – schmeiß nicht so, okay“, sagt der Getroffene. „Samma per du!?“, entgegnet ihm der Lenker gereizt und greift einige Male Richtung Jugendlichem mit lauten „Aussteigen“-Rufen. Plötzlich packt er den Burschen mit beiden Händen und reißt ihn von der Sitzbank. Die anderen springen auf, das Handy filmt nur mehr die Gangbeleuchtung.
Tritte nach Beschimpfung
Die „Krone“ versuchte beide Parteien zu befragen. Der Filmer erzählt, den Lenker vom Freund runtergerissen zu haben, der auf die Straße stürzte. Als er noch am Boden liegend wieder einmal „sch... Ausländer, schleicht’s eich endlich ham“, geschrieen hätte, hätten sie auf ihn eingetreten: „Das tut uns jetzt leid. Das war zuviel“.
Lange Vorgeschichte, gegenseitige Vorwürfe
Viele arge Beschimpfungen und Repressalien von ihm und einem zweiten Chauffeur hätte es zuvor gegeben. Einmal hätte sogar die Mutter wegen ihres Kopftuchs nicht mitfahren dürfen. „Da waren wir dann auch frech.“ Laut NÖN behauptete der Lenker, zuerst einen Kinnhaken kassiert zu haben, was das Video klar widerlegt. Er berichtete von Fahrten mit Verschmutzungen und ungebührlichem Verhalten. Sein Arbeitgeber hat ihn nun jedenfalls entlassen.
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