„Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl informiert in seiner Kolumne über die Entwicklung von Kleinkindern. Und stellt dabei einen interessanten Zusammenhang zum späteren Verhalten erwachsener Menschen her.
Egal, ob man sich der einschlägigen Fachliteratur aus der Verhaltensbiologie bedient oder sein Halbwissen von der Website eines bekannten Windelherstellers bezieht, werden einem bei der Recherche, welche Entwicklungen bei einem Menschen in 15 Monaten vor sich gehen, ähnliche Erkenntnisse begegnen. Die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Lob und Tadel sei hier genannt und auch das Ausloten von Grenzen, um zu sehen, was erlaubt ist und was nicht, ist nach 15 Monaten in der Regel bereits gut ausgeprägt. Nicht zu vergessen, dass beim Abschied schon „Winke-Winke“ gemacht werden kann, ohne dass dafür ein Teletubbies-Tutorial zu Rate gezogen werden muss. Bleibt noch die Frage, ob dies nur graue Theorie ist, oder ob derlei Erkenntnisse auch im Alltag zu beobachten sind.
Da kommt der jüngst erfolgte Rücktritt von ÖFB-Präsident Kommerzialrat Gerhard Milletich zur Verifizierung gerade recht, denn er belegt eindrucksvoll die Gültigkeit des oben Gesagten. Nicht nur, dass der Angehörige der burgenlandkroatischen Volksgruppe und Verleger des Fachblatts „Der österreichische Installateur“ in 15 Monaten Amtszeit offenbar gelernt hat, Grenzen auszuloten und so zwischen erlaubten und unerlaubten Tätigkeiten zu differenzieren, nein, auch die Sensibilität für Lob und Tadel scheint sich prächtig entwickelt zu haben, sonst hätte ihn der Vorwurf der Inseratenkeilerei seitens der Medien und von Teilen des ÖFB-Präsidiums wohl kalt gelassen und es wäre nicht zum „Winke-Winke“-Abschied von seinem Arbeitsplatz in der Meiereistraße gekommen.
Nachdem in dieser Republik bekanntlich alles, was mit Inseraten zu tun hat, enormen politischen Sprengstoff birgt und landauf, landab ständig zu Rücktritten führt oder auch nicht, liegt die Vermutung nahe, dass die ÖFB-Headhunter diesmal nicht primär im Verlagswesen herumstöbern werden. Zum Glück bietet die „Liste der Lehrberufe von A bis Z“ des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft von „Applikationsentwicklung - Coding“ über „Miedererzeuger“ bis hin zu „Zimmereitechnik“ eine geradezu unermessliche Fülle an seriösen Tätigkeiten, weshalb wohl eine geeignete Präsidentin oder ein geeigneter Präsident, aus welcher Branche auch immer, zu finden sein wird, selbst wenn es bis zur Wahl nicht mehr 15, sondern nur noch drei oder vier Monate sind. Denn bereits nach drei Monaten, so die Verhaltensbiologie, ist „die Fähigkeit, das Köpfchen selbst zu halten“, zumeist schon vorhanden. Also: Kopf hoch, um die Zukunft des ÖFB muss uns nun wirklich nicht bange sein.
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