Leopard-Beschluss

Militärexperte: „Kampfpanzer keine Wunderwaffe“

Ausland
25.01.2023 09:18

Laut dem Schweizer Militärexperten Niklas Masuhr hat die russische Armee ihre Schwächephasen der letzten Monate im Ukraine-Krieg überwunden und ihre Position durchaus gestärkt - unter anderem durch die Errichtung von Verteidigungslinien. „Wir steuern auf eine Gemengelage zu, in der Kampfpanzer mit Blick auf die Verteidigung und Gegenoffensiven eine wichtige Rolle spielen“, so Masuhr, der gleichzeitig warnt: „Kampfpanzer sind keine Wunderwaffe.“

Die Nachrüstung der ukrainischen Panzer sei erschwert, weil Russland viele Fabriken und Fertigungsstraßen etwa für Panzermunition zerstört habe. Die NATO-Staaten hätten ihre alten Reserven bereits zur Verfügung gestellt. Entsprechend rückten jetzt westliche Kampfpanzer wie der Leopard aus deutscher Produktion oder der Abrams aus den USA in den Fokus. Nach wochenlangem Hin und Her hat die Bundesregierung nach Angaben aus Koalitionskreisen von Dienstagabend die Lieferung von Leopard-Panzern bewilligt.

Am Mittwoch soll die Entscheidung offiziell bekannt gegeben werden. Auch US-Präsident Joe Biden könnte in Kürze mit ähnlichen Nachrichten aufwarten. Auch in Washington wird nunmehr eine rasche Entscheidung kolportiert.

Dass die Ukraine nicht nur eine Kompanie, wie es deutsche Medien am Dienstagabend berichtete, sondern wesentlich mehr Kampfpanzer benötigt, hat nicht zuletzt Präsident Wolodymyr Selenskyj unterstrichen. „Es geht nicht um fünf oder zehn oder fünfzehn Panzer. Der Bedarf ist größer“, erläuterte der oberste Befehlshaber der ukrainischen Armee am Dienstagabend in einer Videobotschaft. Laut Militärexperte Masuhr, der am Center for Security Studies der Universität ETH in Zürich forscht, könnte Kiew mit einem Minimum von 100 westlichen Panzern eine Panzerbrigade nach westlichem Modell ausrüsten.

Könnte „logistischer Alptraum“ werden
„Kampfpanzer sind aber keine Wunderwaffe. Sie müssen im Verbund eingesetzt und repariert werden und mit Munition ausgestattet werden.“ Der Experte weist im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa zudem auf einen logistischen Alptraum für die Ukraine hin, falls die Lieferungen nicht gut abgestimmt würden. Selbst verschiedene Versionen des gleichen Typs bedeuteten zusätzliche Herausforderungen.

„Wenn die Ukraine auch längerfristig befähigt werden soll, sich zu verteidigen, ist es wichtig, dass das Logistiksystem nicht übermäßig kompliziert ist“, sagt Masuhr. Für die Ukraine wäre es wohl insbesondere hilfreich, wenn Komponenten westlicher Panzer jenseits der Grenzen teils gewartet und repariert würden - wie dies bei Artilleriegeschützen bereits geschehe.

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