Polizei-Seelsorgerin

Todesdrama schon in der ersten Arbeitswoche

Steiermark
03.11.2022 11:00

Die steirische Polizeiseelsorgerin Elisabeth Lienhart hört zu, wenn Kollegen über ihre Ängste sprechen. Kaum im Amt, war sie mit dem Tod eines jungen Polizisten konfrontiert.

Eine Premiere: Elisabeth Lienhart ist die neue Landes-Polizeiseelsorgerin. Die erste Frau in dieser Position. Am 9. September wurde die Steirerin bei der Polizei-Wallfahrt in Mariazell offiziell bestellt.

Fünf Tage später wurde in Graz in der Landespolizeidirektion ein junger Polizist bei einer Übung tödlich getroffen. Die erste Bewährungsprobe für die neue Landes-Seelsorgerin. „Das wünscht sich keiner“, sagt die Steirerin leise. „Da es nicht im Einsatz, sondern bei einer Übung passiert ist, war die Betroffenheit gleich noch viel größer.“

„Ich habe schon viel Leid und Elend erlebt“
Dramatische Vorfälle sind für die „Neue“ aber nichts Ungewöhnliches. Hauptberuflich ist die 46-Jährige Krisen- und Notfallseelsorgerin und leitet das Krisenmanagement der Diözese Graz-Seckau.

Nebenbei arbeitet sie ehrenamtlich beim Kriseninterventionsteam des Landes Steiermark. „Ja, da habe ich schon viel Leid und Elend erlebt“, muss sie eingestehen. Manche Begleitungen beschäftigen auch die Seelsorgerin selbst noch eine gewisse Zeit. Was aber wichtig ist: „Ich darf berührt sein, aber nicht so betroffen, dass ich meine Arbeit nicht mehr machen kann.“

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Oft schau ich nur bei der Türe rein, mache einen Schmäh, und plötzlich geht das in ein tiefsinniges Gespräch über.

Elisabeth Lienhart

Wie verkraftet man diese Erlebnisse selbst?
Wie geht es da der eigenen Seele mit so viel Leid und Schmerz? „Auch wenn man sich das kaum vorstellen kann, aber wenn wir Menschen begleiten, bekommen wir auch viel zurück.“ Sie merke die Dankbarkeit, dass jemand da war. „Die Polizeiseelsorge lebt vom Dasein und Beistehen. Den Weg in den dunklen Stunden gemeinsam zu gehen, aber auch die schönen Momente miteinander zu teilen. Es darf auch gelacht werden.“

Die Arbeit mit Polizisten gehört zum Alltag der 46-jährigen Steirerin. „Oft schau ich nur bei der Türe rein, mache einen Schmäh, und plötzlich geht das in ein tiefsinniges Gespräch über.“

„Wenn Kinder sterben, ist es immer schlimm“
Das schlimmste Erlebnis bisher in ihrer Tätigkeit? „Man kann das eine gar nicht mit dem anderen vergleichen. Aber wenn Kinder sterben, ist es immer schlimm.“ Gerade da müsse man hinschauen. „Denn dann sind die Polizisten keine Polizisten, sondern einfach nur Väter und Mütter.“

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