Russland dreht Hahn zu

Gastransit durch Österreich nach Italien gestoppt

Ausland
01.10.2022 14:43

Russland hat nach Auskunft des italienischen Energieversorgers Eni seine Gaslieferungen an das Mittelmeerland vorerst eingestellt. Der russische Konzern Gazprom habe mitgeteilt, dass er kein Gas mehr durch Österreich liefern könne, teilte Eni am Samstag mit. Am Nachmittag wurde bestätigt, dass Gazprom den Gastransit via Österreich ausgesetzt habe.

Grund dafür ist laut Gazprom, dass sich der österreichische Gasnetzbetreiber geweigert hatte, die „Transportnominierungen“ zu bestätigen. In einer auf Telegram veröffentlichten Erklärung machte Gazprom regulatorische Änderungen in Österreich für das Problem verantwortlich und erklärte, dass man an einer Lösung des Problems arbeite. Das passiere gemeinsam mit italienischen Kunden, so Gazprom.

Von der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control hieß es dazu am Samstag, dass die mit heutigem 1. Oktober in Kraft getretenen neuen Regeln seien seit Langem bekannt. Die Behörde erwarte, dass sich alle Marktteilnehmer daran halten. An der nun geltenden neuen Marktordnung wird seit mehreren Jahren gearbeitet, auch wenn die letzten Umsetzungsregeln erst in den letzten Wochen fixiert wurden.

Gaslieferung nach Österreich aufrecht
Das russische Gas kommt normalerweise am italienisch-österreichischen Grenzort Tarvisio in Italien an und wird von dort verteilt. Ein Eni-Sprecher bestätigte der Nachrichtenagentur ANSA, dass Gazprom mitgeteilt habe, nicht mehr nach Österreich liefern zu können. Allerdings erhalte die Alpenrepublik nach Auskünften von Eni weiterhin russisches Gas, sagte der Sprecher weiter.

Zitat Icon

Gazprom teilte mit, dass es nicht in der Lage sei, die für heute angeforderten Gasmengen zu bestätigen, da es nicht möglich sei, Gas über Österreich zu liefern. Daher werden die heutigen russischen Gaslieferungen an Eni über den Einspeisepunkt Tarvisio auf null gesetzt. Eni wird Aktualisierungen vornehmen, falls die Lieferungen wiederhergestellt werden.

Posting auf der Eni-Homepage

Nach Österreich ist am Samstag weiter Gas aus Russland geliefert worden, und zwar „deutlich mehr als zuletzt nominiert“, wie OMV-Sprecher Andreas Rinofner am Samstag auf Anfrage der APA sagte. Wie es am Sonntag weitergeht, könne man noch nicht sagen. Österreichische Experten stellten zudem klar, dass schon seit einer Woche regelmäßig mehr Gas aus Italien nach Österreich fließe als über Österreich nach Italien. Zuletzt sei algerisches Gas in Italien günstiger gewesen als russisches. Die Gasversorgung in Italien dürfte nicht gefährdet sein.

Gas-Unabhängigkeit angestrebt
Italien hatte bis zum Ausbruch des Krieges in der Ukraine rund 40 Prozent seines Gases aus Russland erhalten. Dann schlossen die Regierung in Rom und der teilstaatliche Konzern Eni mit etlichen anderen Ländern - etwa Algerien - Abkommen ab, um die Abhängigkeit von Moskau zu minimieren.

Eni-Chef Claudio Descalzi hatte erst kürzlich bei einem italienischen Energiegipfel erklärt: „In zweieinhalb Jahren werden wir völlig unabhängig von Russland sein. Der Beitrag Algeriens hat sich unmittelbar zu Beginn der Krise mehr als verdoppelt.“

In den vergangenen Monaten hieß es, Italien bekomme nur noch rund 25 Prozent seines Gases aus Russland. In den vergangenen Tagen waren die Liefermengen stark zurückgegangen.

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