Wenn der Abend sich über das Land legt, dann möchten viele nur noch ab auf die Couch. Dabei würde sich gerade dann eine Wanderung lohnen.
Laue Sommerabende sowie schöne Septembertage eignen sich perfekt für sogenannte „Golden-Hour-Hikes“. Das bedeutet, dass man zur „goldenen Stunde“ auf dem Gipfel steht, um das Bergpanorama im Wechsel des Lichts zu bewundern. Das Naturschauspiel wiederholt sich zwei Mal am Tag: morgens und abends. Egal wie viele Sonnenauf- oder -untergänge man bereits gesehen hat, das spektakuläre Lichtspiel ist immer wieder ein einzigartiges Erlebnis.
Der englische Begriff „Golden Hour“ bezieht sich auf die kurze Zeitspanne, wenn die Sonne noch nicht oder nicht mehr gänzlich am Firmament steht und ihre Strahlen die Landschaft in ein warmes, golden-schimmerndes Licht tauchen. Fotografen nutzen diese Zeit gerne, um besondere Momente mit der Kamera einzufangen.
Zugegeben, es braucht meist schon etwas Überwindung kurz vor Tagesanbruch oder abends nach einem langen Arbeitstag noch in die Wander-Klamotten zu schlüpfen und sich auf den Weg zu machen. Man wird aber mit wunderbaren Augenblicken belohnt. Im Land gibt es zahlreiche Hausberge, die sich für so eine Unternehmung eignen.
Auf der Sonnenterrasse des Montafons
Im Montafon etwa gilt der Bartholomäberg als Sonnenterrasse der gesamten Talschaft. Man kann zwischen gemütlichen Touren und eher anspruchsvolleren Wanderungen wählen. Für eine Abendrunde bietet sich ein Ausflug auf das Rellseck an. Startpunkt ist beim Parkplatz gegenüber der Barockkirche. Die Tour ist mit circa einer Stunde angeschrieben, es sollte aber etwas mehr Zeit einkalkuliert werden, da der Anstieg teilweise recht steil ist.
Der Wegbeschreibung folgend geht es zunächst bergan auf einer einspurigen Asphaltstraße, die in der Regel nicht viel befahren ist. Linker Hand eröffnet sich ein herrliches Bergpanorama sowie die Sicht ins Tal. Ab „Neyers Legi“ verlässt man die Fahrbahn und wandert auf einer Güterstraße immer höher hinauf. Auf den steilen Berghängen blühen die letzten Sommerblumen, alte Obstbäume werfen lange Schatten, Schmetterlinge und Bienen fliegen in den letzten Tagesstunden noch einmal von Blüte zu Blüte.
Vielstimmiges Konzert der Grillen
Untermalt wird das Ganze vom vielstimmigen Konzert der Grillen. Die „musikalischen“ Insekten gehören zur Familie der Langfühlerschrecken, zu der auch die Laubheuschrecken zählen. Wie diese haben auch Grillen verlängerte, zum Springen angepasste Hinterbeine und lange schnurartige Fühler. Die Insekten sind wärmeliebend, weshalb sie auch während heißer Sommer aktiv sind.
Die Musikanten sind übrigens ausnahmslos männlich, mit ihrem „Gesang“ wollen sie zum einen das Revier abstecken, vor allem aber Weibchen anlocken. Diese verfügen über schallempfindliche Trommelfelle an den Vorderbeinen, mit welchen sie die Werbebotschaften gut wahrnehmen können. Für uns Menschen gehört das Zirpen der Grillen zu den wohl typischsten Geräuschen langer Sommerabende.
Dauer: circa 2,5 Stunden (die Tour kann mit einem Abstecher zum Fritzensee (plus 30 Minuten) erweitert werden.
Ausgangspunkt: Parkplatz gegenüber der Barockkirche in Bartholomäberg
Ausrüstung: Laufschuhe mit guter Profilsohle, warme Kleidung für den Retourweg, eventuell eine Stirnlampe
Einkehrmöglichkeiten: Alpengasthaus Rellseck (10 bis 18 Uhr), Hotel Bergerhof (8.30 bis 23 Uhr) in Bartholomäberg
Öffentl. Verkehrsmittel: Buslinie 84 ab Bludenz oder Schruns (letzte Fahrt beachten!)
Schließlich tritt man in den Wald und lässt die letzten Häuser sowie die Bergwiesen hinter sich, das Konzert der Grillen verebbt zusehends. Unter den Nadelbäumen scheint bereits die Dämmerung hereinzubrechen. Es ist still, nur gelegentlich ist der einsame Ruf eines Vogels zu hören. Nachdem einige Serpentinen bewältigt sind, beginnen sich die Baumreihen wieder zu lichten und bald rückt der Alpengasthof Rellseck ins Blickfeld.
Ein Stück weit dahinter befindet sich eine kleine Kapelle sowie eine Gipfelkarte. Von der Anhöhe hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Sonnenuntergang, der die Landschaft in magisches Licht taucht. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, geht es wieder nach Bartholomäberg.









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