Ein 60-jähriger mutmaßlicher Todesschütze flüchtete nach Überackern im oberösterreichischen Innviertel, nachdem er in Bayern einen 32-Jährigen erschossen haben soll. Er trickste dabei sogar mit Wärmebildkameras ausgestattete Helikopter aus. Schließlich stöberte Polizeihund „Denver“ den schwer bewaffneten Kosovaren auf. Sein Halterin schildert im „Krone“-Interview den abenteuerlichen Einsatz.
Die filmreifen Szenen spielten sich - wie berichtet - in der Nacht auf Freitag im Grenzgebiet von Bayern und Oberösterreich ab. Nachdem am Donnerstag gegen 20.30 Uhr vor einer Spielhalle in Burghausen (Deutschland) Schüsse gefallen waren, brach ein 32-Jähriger sterbend zusammen. Passanten brachten sich in Sicherheit, während der bewaffnete Schütze weiter um sich feuerte und dann in einem BMW flüchtete.
Sofort war ein Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort, und man identifizierte einen 60-jährigen Kosovaren aus Burghausen als mutmaßlichen Schützen. Weil unklar war, wohin der bewaffnete Verdächtige geflüchtet war, gab es via soziale Medien auch Warnungen an die Bevölkerung: „Keine Anhalter mitnehmen!“ Und weil Burghausen direkt am Grenzfluss Salzach liegt, alarmierten die bayerischen Polizisten ihre Kollegen in Oberösterreich.
Die Schnellen Interventionsgruppen wurden hinzugezogen, und auf einer Streifenfahrt entlang der Grenze im Innviertel entdeckten Beamte gegen 22.55 Uhr den BMW beim Parkplatz des „Inn-Salzach-Blicks“ in Überackern. Weil unklar war, ob es der Bewaffnete auf eine Konfrontation anlegen würde, zog man sich zurück, sicherte alle Fluchtwege und holte die Cobra.
Deutsche beantragen Auslieferung
Die bekam Unterstützung durch die Hundeführerin Cordula B., die ausgerechnet an ihrem 43. Geburtstag gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Schäfer „Denver“ hier im Einsatz war. Ohne ihn wäre der Verdächtige wohl entkommen.
Der rasche Zugriff auf den mutmaßlichen Täter aus Deutschland zeigt die gelungene Vernetzung zwischen den im Herbst 2021 eingeführten Schnellen Interventionsgruppen und dem Einsatzkommando Cobra.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP)
Zuvor hatte ein Helikopter das Areal abgeflogen, aber den Gesuchten nicht entdeckt. Dieser hockte in einem Erdloch und war somit für die Wärmebildkamera unsichtbar. Doch die Nase von „Denver“ konnte der Mann nicht täuschen. Um 1.28 Uhr früh stellte der Hund den Flüchtigen, der dann auch keinen Widerstand mehr leistete. Der Kosovare kam in Haft, Deutschland hat die Auslieferung beantragt.
„Ohne Hund wären wir vorbeigelaufen“
Im Interview erzählt Cordula B., wie sie mit ihrem „Denver“ den Mordverdächtigen stellte. Die „OÖ Krone“ gratulierte natürlich auch zum gemeinsamen Fahndungserfolg mit „Denver“. „Danke. So etwas erleben wir im Berufsleben wahrscheinlich nur einmal“, so B., „und genau für diesen Moment trainieren wir.“
„OÖ Krone“: Wie ist der Einsatz abgelaufen?
Cordula B.: Zuerst waren wir bei Kontrollen eingesetzt. Als dann das Auto gefunden wurde und sicher war, dass der Täter nicht drinnen ist, zogen uns die Kollegen von der Cobra hinzu. „Denver“ nahm beim Auto die Witterung auf und arbeitete sich an der langen Leine der Spur entlang. Ich war mit der Taschenlampe hinter ihm und dann kamen zwei Cobra-Beamten.
Der Verdächtige war bewaffnet und hatte gerade jemanden erschossen. Hat man da keine Angst?
Natürlich kann was passieren, aber ich blende das in dem Augenblick aus, man ist vollkommen konzentriert. Wir sind Polizisten. Wer außer uns soll es denn machen?
Wie haben Sie den Verdächtigen gestellt?
„Denver“ ist zu einer Böschung und gleich hinunter. Er ist nochmal rauf, nach dem Motto „Frauli, bist eh da?“ und dann wieder runter und begann zu bellen. Ich sah ihn zwar nicht, wusste aber, dass er beim Gesuchten ist, und rief die Kollegen herbei. Er war in einer Erdmulde versteckt, wir hätten ihn ohne Hund nicht gefunden, wären vorbeigelaufen.
Widerstand gab’s dann aber keinen.
Zum Glück. Der Verdächtige hatte aber die Waffe noch dabei.
Gab’s für „Denver“ eine besondere Belohnung?
Ich hatte weder Leckerli noch Spielzeug, in das er sich verbeißen darf, dabei. Da gab ich ihm mein Barett zum Hineinbeißen. Ich glaub’, ich brauche ein neues. Auf der Dienststelle brachte eine Kollegin einen großen Knochen und er durfte ausnahmsweise bei mir schlafen.














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