Dass Tirol immer noch eine beschämend niedrige Inklusionsquote in Schulen aufweist, macht Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser wütend. Es werde den Familien zu schwer gemacht, ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Regelschule unterzubringen. Harasser spricht von Ignoranz, die weitreichende Folgen für die Kinder hat.
Im österreichweiten Vergleich weist Tirol (mit Ausnahme des Bezirkes Reutte) eine besonders geringe Inklusionsquote von 53,5 Prozent auf. Der Rest der Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf wird in eine Sonderschule geschickt. Andere Bundesländer wie die Steiermark oder Kärnten schaffen mehr als 80 Prozent Inklusion in Regelschulen.
Diese Beispiele zeigen für Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser eindeutig, dass es möglich ist. „Natürlich müssen dafür die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, spricht sie viele Hürden an, die Tiroler Familien auf dem Weg zur Inklusion meistern müssen. Die in der „Krone“ geschilderten Erfahrungen des 10-jährigen Poldi aus dem Oberland seien längst kein Einzelfall, sagt Harasser: „Anstatt Familien die notwendige Hilfe zu geben, werden sie wegberaten.“ Die von Bildungs-LR Beate Palfrader viel zitierte Wahlfreiheit der Eltern erschöpfe sich leider sehr schnell.
Sozial benachteiligte Kinder landen häufiger in der Sonderschule
In den Sonderschulen würden sich außerdem erschreckend viele sozial benachteiligte Kinder mit Migrationshintergrund befinden: „Kinder, die im anderen Schulbetrieb stören.“ So werde schon in der Schule die Gesellschaft gespalten: „Der Weg zurück in das ,normale’ Bildungssystem gelingt den wenigsten.“
Harasser erinnert daran, dass Kinder ein Recht auf Teilhabe und Gleichbehandlung haben: „Seit 2011 in einem entsprechenden Bundesverfassungsgesetz verankert.“ Dieses Recht werde einfach ignoriert: „Es ist fraglich, wie lange wir uns diese Ignoranz noch leisten können.“














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