Tirol hinkt bei der Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Regelschule hinterher. Und das, obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention dieses Recht festschreibt. Woran liegt es? Am politischen Willen, sagen Kritiker. An den Eltern, sagt das Land.
Die Zahlen der Statistik Austria sprechen für sich. Mit einer Inklusionsquote von 53,5 Prozent bildet Tirol neben Wien (46,5 %) das Schlusslicht in Österreich – außer im Bezirk Reutte, wo vor Jahren mit großem Einsatz die Sonderschule quasi überflüssig wurde.
1300 Tiroler Kinder mit besonderem Förderbedarf
Abseits des Außerferns wird immer noch fast die Hälfte der 1300 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sonderschulen betreut. Auch wenn dort sehr viel Positives geleistet wird: Die Kinder bleiben unter sich. Und die Gesellschaft verlernt, Menschen mit einer Behinderung im Alltag ganz selbstverständlich zu integrieren. Doch genau dieses - auch gesetzlich verankerte - Recht haben Behinderte. Und genau das fordern Fachleute immer wieder ein. So wie Wolfgang Begus vom Verein „Integration Tirol“, der sich seit vielen Jahren für mehr Inklusion einsetzt.
Wir orten derzeit auf vielen Ebenen eine Rückwärtsentwicklung. Es fehlt am politischen Willen und am Personal.
Wolfgang Begus, Integration Tirol
Begus spricht von einem „schlimmen Schuljahr“ und von einer „Rückwärtsentwicklung“. Es fehle der politische Wille und Personal für Assistenzdienste. Aktuell regt Begus vor allem der Nationale Aktionsplan für Inklusion auf. „Unverbindliche Schönrederei ohne konkrete Ziele“, lautet sein Befund. Mit dieser Diagnose steht Begus nicht alleine da. Auch die Gewerkschaft übt Kritik. „Wenn es in der Arbeitswelt vorgegebene Quoten gibt – warum nicht auch bereits im Bildungssystem?“, fordert Bianca Gassler, Tirols Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend, ein Umdenken.
„Eltern haben die Wahlfreiheit“
Das Mantra von Bildungs-Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) lautet: „So viel Inklusion wie möglich, so viel Sonderschule wie nötig.“ Dass Tirol weit hinter anderen Bundesländern liegt, scheitere nicht am Angebot: „Die Eltern haben die Wahlfreiheit. Damit ist es ihre Entscheidung, wie viele Schülerinnen und Schüler eine Sonderschule besuchen.“ Die Türen für Inklusion stünden auch in Tirol offen. Die Eltern müssten die Möglichkeit nur nutzen.














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