22.06.2022 15:25 |

Fräulein Knüppelkuh

Hitzige Debatte um Emma Thompson in Fettanzug

Hat Emma Thompson einer Schauspielerin mit mehr Körperfülle den Job weggenommen? Die britische Oscar-Preisträgerin ist in der Netflix-Neuverfilmung des 90er-Jahre-Kinderfilms „Matilda“ kaum zu erkennen. Mit Gesichtsprothesen und einem Fettanzug wurde sie für „Roald Dahls Matilda - Das Musical“ in die gefürchtete Schuldirektorin Fräulein Knüppelkuh verwandelt. Nachdem jetzt der erste Trailer (oben ansehen) veröffentlicht wurde, gingen auf Twitter die Wogen hoch.

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Angestoßen wurde die Debatte von der britischen Journalistin Emmie Harrison-West, die sich empörte, dass es „entwürdigend“ sei, dass kräftigere Frauen immer noch als eine Karikatur dargestellt werden. „Fettanzüge sind so normal geworden, dass manche Leute es wahrscheinlich nicht einmal bemerkt haben - und das ist es, was so frustrierend ist“, schrieb sie. 

„Entmenschlichend“
Als Frau mit einer größeren Größe empfinde sie „diese Karikaturisierung meines Körpertyps als absolut entmenschlichend und erniedrigend. Das ist weder ethisch noch authentisch oder repräsentativ für die gelebten Erfahrungen.“ Sie wirft der 63-jährigen Thompson vor, immer schon Rollen übernommen zu haben, die nicht ihrem echten Körper entsprochen hätten und damit alte Vorurteile genährt zu haben.  Auch in „Tatsächlich… Liebe“ wäre Thompson mit einem Fettanzug in eine „altbackene“ Frau in bequemen Schuhen mit langem Rock verwandelt worden. So eine, die dann betrogen wird. 

„Macht Knüppelkuh einfach dünn“
Andere Twitter-User empfanden ähnlich. Eine Frau schrieb: „Die neue ,Matilda‘-Verfilmung sieht lustig aus, aber mussten sie Emma Thompson in einen Fettanzug mit Gesichtsprothetik stecken ... Ich bin mir sicher, dass es Tausende von talentierten Schauspielerinnen gibt, die Frau Knüppelkuh spielen könnten, die tatsächlich zum Körpertyp der Rolle passen.“

„Entweder eine fette Schauspielerin engagieren (die gibt es! Wirklich! Sie könnten sogar A-Listen-Karrieren haben, wenn man sie tatsächlich in fetten Rollen besetzen würde, anstatt sie dünnen Schauspielern mit schlechtem Make-up zu geben!) oder man macht Knüppelkuh einfach dünn. Das ist sowieso eine stereotype, fette Rolle“, schlug ein anderer vor.

Fehlende Authentizität
In den letzten Jahren hat ein großes Umdenken bei Rollenbesetzungen begonnen und wird sicher noch in weite Bereich Auswirkungen haben, etwa bei der Besetzung Homosexueller oder eben dickerer Menschen. Hollywood-Star Tom Hanks sagte erst kürzlich, er würde die Rolle in dem Film-Drama „Philadelphia“ heute nicht mehr spielen. „Könnte ein Heterosexueller das, was ich in ,Philadelphia‘ gemacht habe, heute tun? Nein, und das zu Recht“, sagte der 65-Jährige dem „New York Times Magazine“. Hanks wurde 1994 für seine Rolle in dem Film über einen homosexuellen Rechtsanwalt, der an AIDS erkrankt ist, mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

„Ich glaube nicht, dass die Leute die fehlende Authentizität eines Heteros, der einen Schwulen spielt, akzeptieren würden“, sagte Hanks weiter. „Es ist kein Verbrechen, kein Buh-Ruf, wenn jemand sagt, dass wir mehr von einem Film verlangen in der modernen Welt der Authentizität.“

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