04.05.2022 17:21 |

Weiter auf Kreml-Linie

Kyrill sieht durch EU-Sanktionen Frieden schwinden

Nachdem die EU nun auch das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, den Moskauer Patriarchen Kyrill I., auf ihre Sanktionsliste setzen will, zeigt sich dieser davon unbeeindruckt. Wie sein Sprecher Wladimir Legoida am Mittwoch erklärte, bete der Patriarch für Frieden in der Region - durch „wahllose Sanktionen“ würde sich hingegen die Chance auf Frieden weiter entfernen.

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Mit Äußerungen zu Russlands Angriffskrieg auf Linie von Kreml-Chef Wladimir Putin sorgt Kyrill I. besonders in der Ukraine seit Wochen für Entsetzen. Den Militäreinsatz rechtfertigte er als „metaphysischen Kampf“ des Guten gegen das Böse aus dem Westen. Der Patriarch propagiert seit Jahren eine „russische Welt“, zu der auch die Ukraine gehöre.

Sprecher erinnert an „kommunistische Gottlosigkeit“
Man müsse der Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche „völlig unkundig sein, um ihre Geistlichen und Gläubigen einzuschüchtern, indem man sie in irgendwelche Listen einträgt“, schrieb Sprecher Wladimir Legoida am Mittwoch laut Kathpress in seinem Telegram-Kanal.

Er wolle die Autoren der Sanktionsinitiative daran erinnern, dass Kyrill I. aus einer Familie stamme, deren Mitglieder jahrzehntelang wegen ihres Glaubens und ihrer moralischen Haltung während „der militanten kommunistischen Gottlosigkeit“ unterdrückt worden seien, aber „keiner von ihnen hatte Angst vor Gefängnis oder gar Racheakten“.

„Nur die Grenzen verteidigt“
Kyrills Sprecher betonte, der Patriarch bete für Frieden. „Je wahlloser die Sanktionen werden, je mehr sie den Bezug zum gesunden Menschenverstand verlieren, desto weiter entfernt sich der Frieden“, so Legoida.

Am Dienstag sagte er bei einem Gottesdienst in einer Kathedrale im Moskauer Kreml, Russland habe nie jemanden angegriffen, „es hat nur seine Grenzen verteidigt“.

Scharfe Kritik an Papst Franziskus
Die russisch-orthodoxe Kirche wies zudem die jüngste Kritik von Papst Franziskus an Kyrill I. deutlich zurück. „Es ist bedauerlich, dass Papst Franziskus eineinhalb Monate nach seinem Gespräch mit Patriarch Kyrill einen unkorrekten Ton gewählt hat, um den Inhalt dieses Gesprächs weiterzugeben“, schrieb das Außenamt des Moskauer Patriarchats am Mittwoch in einer langen Erklärung.

„Solche Äußerungen werden kaum zum Zustandekommen eines konstruktiven Dialogs zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche beitragen, der besonders in der jetzigen Zeit notwendig ist.“

Vermögen eingefroren, keine Einreise in EU mehr
Die EU-Kommission schlägt in ihrem sechsten Sanktionspaket wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine laut Medienberichten neben zahlreichen anderen Maßnahmen ein Einreiseverbot für Kyrill I. und das Einfrieren seines Vermögens vor. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor. Das Paket wurde am Mittwoch in den EU-Mitgliedsländern geprüft und muss anschließend abgestimmt werden.

Die litauische Regierung hatte sich für Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen starkgemacht, weil er den Krieg gegen die Ukraine unterstütze. Außenminister Gabrielius Landsbergis sagte Ende April, das Kirchenoberhaupt sei eher damit beschäftigt, „Seelen zu töten, als sie zu retten“.

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