11.04.2022 10:15 |

Gütezeichen im Check

Das „arme Schwein“ bleibt in Österreich Realität

Mehr als 90 Prozent des Schweinefleischs in Österreich erfüllen keine der untersuchten Tierschutz- und Umweltkriterien. Am besten schneiden noch Bio-Marken ab, wobei Bio-Schweine nur etwa drei Prozent aller Schweine in Österreich ausmachen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die Tierschutzombudsstelle Wien (TOW) haben jetzt einen Gütezeichen-Guide mit Einkaufsratgeber veröffentlicht.

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Mehr als 90 Prozent der handelsüblichen Schweinefleischware fällt bei Tierschutz- und Umweltkriterien durch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von 26 gängigen Siegel und Gütezeichen im Supermarkt nach zwölf Tierschutz- und Umweltkriterien. So wurde etwa überprüft, ob das jeweilige Gütezeichen garantiert, dass Schweinen das Ringelschwänzchen nicht abgeschnitten wird, ob die Tiere ohne Gentechnik-Futtermittel gefüttert werden und ob tierquälerische Vollspaltenböden verboten sind. Konventionelles Schweinefleisch, auch jenes mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel, erfüllt keines dieser Kriterien. „Das “arme Schwein" ist in Österreich leider weiterhin Realität“, resümiert die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Bio-Marken erfüllen Kriterien weitgehend
Besser sieht es bei den konventionellen Tierwohl-Projekten der Supermärkte aus. Diese erfüllen acht bis neun der Kriterien, Bio-Marken gar zehn bis zwölf. Dass das Gesamtergebnis dennoch verbesserungswürdig ist, hat damit zu tun, dass Tierwohl-Projekte erst eine Nische in den Regalen sind. Auch Bio-Schweine machen weiterhin nur rund drei Prozent aller Schweine in Österreich aus. „Wer Schweinefleisch kauft, etwa für das Osterfest, sollte sich dringend an den Einkaufsratgeber halten und dementsprechend zu Bio-Fleisch oder zu Fleisch aus den Tierwohl-Projekten der Supermärkte greifen. Das schont die Umwelt und garantiert den Schweinen ein besseres Leben“, empfehlen Eva Persy, Leiterin der TOW und Sebastian Theissing-Matei von Greenpeace.

Mindeststandards anheben
Von der österreichischen Bundesregierung fordern die beiden Organisationen, dass die Mindeststandards für die Haltung von Schweinen angehoben werden sollen. Zudem brauche es ein gesetzliches Kennzeichnen der Haltungsbedingungen am Produkt. Derzeit sind die Mindeststandards laut TOW ein „Armutszeugnis für ein Land, das sich gerne als Vorreiter im Tierschutz präsentiert“. Die Bundesregierung müsse die 1. Tierhaltungsverordnung ambitioniert überarbeiten.

„Reformen verschlafen“
“Bereits im Jahr 2020 haben wir mit dem Gütezeichen-Guide diese Misere aufgezeigt, seither wurden die dringend nötigen Reformen komplett verschlafen. Weiterhin stecken im Großteil des österreichischen Schweinefleischs Tierleid und Umweltzerstörung - die Idylle, die uns die Werbung vorgaukelt, gibt es in kaum einem Mastbetrieb in Österreich“, kritisiert Theissing-Matei. Das gelte auch für das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel.

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