11.04.2022 06:00 |

Transparenz gewünscht

Eierreport: Wo unsere Ostereier herkommen

Gesellig und erstaunlich intelligent sind sie, unsere Hühner. Mutterhennen „gackern“ mit ihren Küken sogar schon, wenn diese noch im Ei sind. Auf diese Bedürfnisse wird in großen Legebetrieben nicht Rücksicht genommen.

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Was war das einst für eine Idylle! Im Hühnerstall roch es nach frischem Stroh, und die Bäuerin sammelte einzeln die gelegten Eier ein. Gerade eine Handvoll des Wertvoll-Runden wurde auf den Frühstückstisch gelegt. „Damals konnte sich ein Hof selbst versorgen, war also autark und achtete auf geschlossene Schöpfungskreisläufe“, erinnert sich der Kärntner Öko-Agrarexperte Wilfried Oschischnig an die eigene Kindheit. Doch das Hühnerglück von damals gibt es bestenfalls noch bei unseren Bio-Landwirten.

Legehennen-Betriebe mit Tausenden Tieren (auch in Österreich die vorwiegende Haltungsform) können und wollen dieses Nischen-Modell freilich nicht aufrechterhalten. Das aber hat viele Nachteile für die dort lebende Geflügelschar.

Legedruck führt bei Geflügel zu Brüchen
Denn nach einer Studie von „Vier Pfoten“ sind die Hennen dort dermaßen auf Lege-Hochleistung (Hunderte Eier jährlich) gezüchtet, dass sie dafür enorme Mengen an Kalzium benötigen. Dieses wiederum müssen sie aus den Knochen mobilisieren. Fatale Folge: Vor allem die fragilen Brustbeine brechen häufig.

„In unseren Studien waren bis zu 100 Prozent des Federviehs betroffen, diese Frakturen sind für die Lebewesen sehr schmerzhaft. Der Mangel kann zu Osteoporose und dünnschaligen, zerbrechlichen Eiern führen“, sagt „Vier Pfoten“-Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck erschüttert. Vieles, aber eben nicht alles lässt sich - so die Expertin - mit Futterzusätzen wie etwa Muschelkalk ausgleichen.

Futterpreise bringen Züchter in Existenznot 
Generell kämpfen die heimischen Eierproduzenten derzeit ums Überleben, weil die Preise für das Fressen der Hühner wegen des Krieges im Lieferantenland Ukraine geradezu explodieren. „Das ist für unsere Landwirte kaum noch zu stemmen“, warnt das mächtige Agrarier-Duo Paul Nemecek (NÖ-Bauernbundchef) und Alex Bernhuber (türkiser EU-Mandatar). Beide fordern weitere Entlastungspakete. Auch Konsumenten-Solidarität sei jetzt ein Gebot der Stunde. Hier kommt die durchdachte AMA-Eierdatenbank (siehe Grafik oben) ins Spiel, die eine Herkunftsrückverfolgung bis in den Stall ermöglicht.

Wie wichtig die verpflichtende Kennzeichnung jedes einzelnen Hühnereis ist, zeigt die Tatsache, dass noch immer Käfighaltungs-Produkte importiert werden dürfen. Im Handel sind diese zwar verboten, auf Großmärkten allerdings nicht.

Daten & Fakten

  • Sieben Millionen Hühner legen pro Jahr zwei Milliarden Eier in Österreich.
  • Im vergangenen Jahr wurden hierzulande laut AMA-Marktanalyse 817 Millionen Frischeier im Wert von 210 Millionen Euro gekauft.
  • Durchschnittlich verspeisen die Österreicher jährlich 236 Stück Eier.
  • Nur 15 Prozent der heimischen Geflügelschar darf nach strengen Bio-Richtlinien ein artgerechtes Leben (Scharren und Picken nach Herzenslust bei viel Sonnenlicht) führen.
  • Pro Schnaberl müssen dem Öko-Geflügel mindestens acht Quadratmeter Lebensraum eingeräumt werden.
  • Immerhin 33 Prozent leben in tierfreundlicher Freilandhaltung. Den Löwenanteil nimmt mit knapp mehr als der Hälfte Bodenhaltung ein.

Konsumenten wünschen sich absolute Transparenz
Neuerlich forderte „Vier Pfoten“ eine Kennzeichnungspflicht auch für Eier in verarbeiteten Lebensmitteln wie Kuchen, Keksen etc. Aktivistin Elisabeth Penz: „Hier liegt viel Hühnerleid verborgen. Dabei wünschen sich vier Fünftel von 1000 Befragten Transparenz in diesem Nahrungssektor. Und das nicht nur vor Ostern ...“

Mark Perry
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Martina Münzer-Greier
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