08.04.2022 13:09 |

Vorträge für Kinder

Ukrainische Polarforscher helfen aus Ferne

Auf der Antarktis arbeiten mehrere ukrainische Forscher, die aus der Ferne versuchen, ihr Land zu unterstützen. So spenden sie an die Armee, starten Petitionen und halten Online-Vorträge für Kinder, um sie vom Krieg abzulenken. Das Team soll noch in diesem Monat abgelöst werden und blickt in eine ungewisse Zukunft.

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Sie verbringen ihre Tage in klirrender Kälte damit, zu messen, zu analysieren und ihre Arbeit so gut wie möglich zu erledigen - während in ihrer Heimat Krieg herrscht: Auf der Vernadsky-Antarktisbasis arbeiten mehrere ukrainische Forscher, die sich hilflos angesichts der Lage zuhause fühlen. „Am Anfang haben wir tagelang nicht geschlafen. Die ganze Zeit über haben wir die Nachrichten über unsere Heimatstädte verfolgt“, sagt Meteorologin Anastasija Tschyharewa (26). Die Wissenschafter gingen dazu über, um 02.00 Uhr morgens - in der Ukraine um 07.00 Uhr - aufzustehen, um bei ihren Familien nachzufragen, wie deren Nacht verlaufen war. „Wir haben uns daran gewöhnt, morgens und vor dem Schlafengehen in jeder freien Minute die Nachrichten zu checken“, sagt Tschyharewa im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Zitat Icon

Am Anfang haben wir tagelang nicht geschlafen. Wir haben die ganze Zeit die Nachrichten über unsere Heimatstädte verfolgt

Anastasija Tschyharewa (26), Meteorologin auf der Antarktis


„Mein erster Eindruck war, dass sich all diese Dinge in einem anderen Universum abspielen, nicht in unserer Welt“, sagt der Geophysiker Oleksander Koslokow, dessen Familie in Charkiw lebt, über den Krieg. „Meine Frau hörte und spürte die Explosionen der Marschflugkörper zehn Minuten, nachdem Putin diesen dummen und verbrecherischen Krieg begonnen hatte.“ Inzwischen ist seine Familie nach Deutschland geflohen.

In der Basis, die nach einem sowjetischen Mineralogen und Geochemiker mit russischen und ukrainischen Wurzeln benannt ist, versuchen die Wissenschafter trotz allem, ein möglichst normales Leben zu führen. Sie spenden an die Armee, starten Petitionen und bieten Online-Vorträge an, um die Aufmerksamkeit der ukrainischen Kinder vom Krieg abzulenken.

„Keine wirklichen Pläne“
Das Team wird noch in diesem Monat abgelöst. An eine Rückkehr in die Heimat denken sie nicht, ihre Zukunft ist ungewiss. „Ich habe keine wirklichen Pläne“, sagt Tschycharewa. „Meine Universität in Charkiw, an der ich studiert habe, wurde zerstört, mein Forschungsinstitut und die wissenschaftliche Ausrüstung in der Ukraine sind auch zerstört“, sagt Geophysiker Koslokow. Wahrscheinlich werde er versuchen, seine wissenschaftliche Arbeit in Europa oder Amerika fortzusetzen.

Der ukrainische Stützpunkt befindet sich auf der Insel Galindez, etwa 1.200 Kilometer von Feuerland entfernt im äußersten Süden Argentiniens. Die Insel ist das ganze Jahr über von einem Dutzend Menschen bewohnt, im Winter herrschen Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.

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