02.04.2022 19:03 |

Untergegangene Kultur

L’Chaim - das Jüdische Museum feiert Jubiläum

Das Erbe des einst blühenden und 1938 zerstörten jüdischen Lebens im Burgenland bewahrt das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt. Heuer feiert es bereits sein 50-jähriges Bestehen ...

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Bereits im 14. Jahrhundert siedelten sich die ersten Juden auf dem Gebiet des Burgenlandes an. Ab 1670 erlebte die Region einen Zustrom frommer Juden, die gegen Zahlung einer besonderen Steuer unter dem Schutz von Paul I. Fürst Esterházy standen. In Mattersdorf (Mattersburg), Deutschkreutz und Eisenstadt befanden sich Jeschiwot, Hochschulen zum Studium religiöser Lehren. Im jüdischen Viertel von Eisenstadt, Unterberg-Eisenstadt, gab es ab 1871 sogar einen eigenen Bürgermeister. Hier betrieb Sandor Wolf einen Weingroßhandel. In diesem historischen Gebäude befindet sich das Österreichische Jüdische Museum, das heuer sein 50-jähriges Bestehen feiert und in dessen Räumlichkeiten die einzige noch geweihte Synagoge des Burgenlandes liegt. Seit 1988 steht das Haus unter der Leitung von Johannes Reiss, der hier 1984 als Ferialpraktikant seine ersten Erfahrungen sammelte. Er hat das Museum in seiner heutigen Form maßgeblich mitgestaltet und Exponate zusammengetragen.

Dokumente jüdischen Lebens
So finden sich in der Dauerausstellung Chanukka-Leuchter ebenso wie jüdische Kleidung oder Musikinstrumente, darunter das Schofarhorn. Ein besonderes Anliegen sind Reiss jedoch die jüdischen Friedhöfe in den früheren jüdischen Gemeinden. Allein in der Landeshauptstadt gibt es zwei, einen älteren und einen neueren. „Auf beiden zusammen liegen etwa 1400 Menschen begraben, darunter auch exhumierte Nazi-Opfer, die erst in den 1980er-Jahren hier bestattet wurden“, weiß Reiss. Jahrelang übersetzte er die kaum noch leserlichen hebräischen Inschriften und versah die Gräber in Eisenstadt mit QR-Codes, die die Geschichten der dort Bestatteten verraten: „Ich hoffe, dass ich dieses Projekt vor meiner Pensionierung auch noch in Kobersdorf abschließen kann.“ Außerdem möchte er die 13 dort vergrabenen Torarollen finden. Und dann wird er mit dem jüdischen Trinkspruch L’Chaim – auf das Leben – auf seinen wohlverdienten Ruhestand anstoßen.

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