31.03.2022 06:01 |

Turbulente Ära endet

Die steirischen Corona-Manager ziehen sich zurück

Michael Koren, Wolfgang Wlattnig und Harald Eitner haben gut 16 Monate lang das Testen und Impfen in der Steiermark federführend organisiert. Nun hören sie auf - und ziehen eine gemischte Bilanz.

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Erinnern Sie sich noch? Als das ganze Land an einem Wochenende zum Massentest gerufen wurde und alleine in der Steiermark 16.000 Helfer auf den Beinen waren. Als in einem Grazer Pflegeheim die ersten 40 Corona-Impfungen verabreicht wurden. Als das Gerangel um den damals noch heiß begehrten Impfstoff begann.

Das alles war im Dezember 2020, vor 16 Monaten. Ein Wimpernschlag der Geschichte. In Pandemiezeiten eine gefühlte Ewigkeit.

Zu dieser Zeit übernahmen drei steirische Beamte neue Aufgaben als Koordinatoren: Harald Eitner, Leiter der Katastrophenschutzabteilung, verantwortete das Testen, Gesundheitsfonds-Geschäftsführer Michael Koren und Landesamtsdirektor-Stellvertreter Wolfgang Wlattnig waren für das Impfen zuständig. Mit dem heutigen Tag beenden sie diese Tätigkeiten.

Verantwortung wird auf Länder abgeschoben
Auch wenn sich in diesen nicht einmal eineinhalb Jahren vieles geändert hat, blieb eine Klammer vom Anfang bis zum Ende: der Bund als Quelle von Verdruss. Entscheidungen kommen spät und werden oft zuerst medial kommuniziert, Vorgaben sind unklar, die Verantwortung wird auf die Länder abgeschoben.

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Wir waren oft mit Versprechungen konfrontiert, die von Pharmafirmen und Bundesseite nicht erfüllt wurden.

Michael Koren

„Kindesweglegung“ nennt das Eitner. „Vieles hätte der Bund mit einem Federstrich erledigen können. Und dann kommt in gewissen Kreisen in Wien immer wieder die Föderalismusschelte. Das ist unfair und hat mich geärgert.“

Zu wenig Impfstoff: „Der Druck war groß“
So musste etwa die „größte Impfaktion aller Zeiten“ (Wlattnig) mit „null Basis“ (Koren) aufgebaut werden. Gerade das erste Halbjahr 2021 sei fordernd gewesen: Es gab wenig Impfstoff, aber viele Impfwillige. „Der Druck war groß, die Stimmung in der Bevölkerung schwierig“, sagt Wlattnig.

Auch wenn die drei Koordinatoren niemals direkt bedroht wurden: Untergriffige Mails und derbe Beschimpfungen am Telefon gab es zuhauf. „Es hat mich erstaunt, wie groß Neid und Missgunst sein können und wie eng es mit der Solidarität und der Rücksicht wird“, sagt Koren nachdenklich.

Kraft von Fake News wurde unterschätzt
Ab dem Sommer 2021 drehte sich das Verhältnis dann um: Es gab deutlich mehr Impfstoff als Impfwillige, zuletzt holte sich kaum noch jemand einen Stich.

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Bei mir ist sehr viel Herzblut hineingeflossen. Der normale Job als Leiter der Gemeindeabteilung und die Impfkoordination waren die doppelte Arbeit.

Wolfgang Wlattnig

Dennoch zeigen sich die Verantwortlichen stolz auf das gemeinsam mit ihrem Team und Partnern Erreichte: 2,55 Millionen Covid-Impfungen wurden verabreicht, in der Bundesländer-Tabelle liegt die Steiermark auf dem dritten Rang. „Es ist eine große solidarische Verantwortung all jener, die sich impfen lassen“, betont Wlattnig, den überraschte, wie viele Menschen für etablierte Medien und wissenschaftliche Argumente nicht mehr zugänglich sind: „Die Kraft von Fake News habe ich unterschätzt.“

41 Millionen Tests nur in der Steiermark
Auch das Testen war ein Kraftakt. Zu Spitzenzeiten waren bei 30 Teststationen des Landes und fünf Bussen etwa 1200 Mitarbeiter im Einsatz, insgesamt wurden mehr als 41 Millionen Tests seit Pandemiebeginn gemacht, resümiert Eitner.

Der scheidende Testkoordinator ist bis zur letzten Sekunde im Dauereinsatz: Heute enden in der Steiermark Teststraßen und Gurgeltests, ab morgen sind nur noch die Apotheken am Zug (siehe Gut zu wissen). Die Entscheidung wurde getroffen, als man von einer Einstellung der Gratis-Tests ab April ausgehen musste, die Regierung hat „nach einigen Pirouetten“ nun doch nur eine Reduktion festgelegt.

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Man gewinnt oft den Eindruck, dass politische Kompromisse so viel Zeit und Energie benötigen, dass für die Umsetzung nur mehr wenig Zeit bleibt.

Harald Eitner

Hätte man in der Steiermark sonst anders entschieden? Vielleicht, Eitner hält den Weg mit den Apotheken aber für „goldrichtig“, denn dieses Angebot können auch ältere und nicht digital affine Steirer in Anspruch nehmen. Allerdings musste die Steiermark eigene Verträge abschließen und eine eigene Datenbank aufbauen - auch das hätte der Bund einfacher lösen können.

„Wir wurden von Tag zu Tag leidensfähiger“
Was auch beim Interview mit der „Krone“ auffällt: Die drei Herren harmonieren und agieren auf Augenhöhe. Das war ein Erfolgsgeheimnis in der intensiven Zeit, in der auch viel Kritik auf sie einprasselte. „Wir wurden von Tag zu Tag leidensfähiger“, sagt Koren.

Am Anfang habe er gezögert, die Aufgabe als Impfkoordinator anzunehmen. „Aber ich bin froh, dass ich mehr als 15 Monate einen großen Teil beitragen konnte, um eine Überlastung der Spitäler zu verhindern.“ Es tue schon etwas weh, das „Kind“ nun wegzugeben, bei Nachfolger Gerald Lichtenegger und dem Team der Landesabteilung 8 sei es aber in guten Händen.

Im Sommer wartet der nächste Kraftakt
Denn vorbei ist die Pandemie trotz personellen Wechsels in den leitenden Funktionen noch lange nicht, wie Wlattnig am Ende erinnert: Im Sommer und Herbst wird wohl die vierte Impfung anstehen. Erneut ein steirischer Kraftakt

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