Adrian hatte es eilig

Geburt im Tunnel: Sogar die Polizei war milde

Steiermark
17.03.2022 06:00

Trotz einer äußerst rasanten Fahrt war es einfach nicht mehr zu verhindern: Statt im Kreißsaal kam Baby Adrian am Rücksitz des Kleinbusses seiner Eltern Carina und Anton Dietrich im Südportal des Gleinalmtunnels zur Welt. Mama und Kind sind wohlauf, dank eines verständnisvollen Polizisten muss die Familie auch mit keiner Straflawine rechnen.

„Als ich die Frau im Hintergrund gehört habe, war mir sofort klar - das geht sich nicht mehr aus“: Nicht nur für die Eltern, Carina und Anton Dietrich aus dem obersteirischen Seckau, auch für Hebamme Heidi Niederlechner war es eine absolute Ausnahmesituation, die sich am Dienstagabend ausgerechnet auf einer Autobahn, der A9, anbahnte.

Die Geburt musste kurzerhand übers Telefon angeleitet werden: „Ich habe den Notarzt bestellt und dem Vater gesagt, er soll gleich nach dem Gleinalmtunnel auf die Seite fahren und seiner Frau beistehen“, erzählt die erfahrene Geburtshelferin.

Hubschrauber kreiste über ihnen
Indes war die Rettungskette längst angelaufen: Der Tunnel wurde gesperrt, der Notarzt per Hubschrauber losgeschickt, der Rettungswagen entsandt. Doch als dieser eintraf, war Baby Adrian schon geboren: „Er kam um 22.38 Uhr auf die Welt, tat sofort seinen ersten Schrei“, berichtet Vater Anton stolz.

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Wie lange fährt man durch den Gleinalmtunnel? Normal nicht einmal zehn Minuten, oder? Mir kam es vor wie eine Stunde.

Vater Anton Dietrich

Die Frage nach dem Geburtsort ist da schon etwas schwieriger zu beantworten: „Die nächste Adresse, die ich auf der Karte gefunden habe, ist Kleintal 32 in Übelbach - so wird’s wohl in Adrians Geburtsurkunde stehen“, lacht der 38-Jährige.

Danach ging’s, wie ursprünglich geplant, in die Privatklinik Ragnitz nach Graz: „3720 Gramm war Adrian bei seiner Geburt schwer und 52 Zentimeter groß“, freut sich Mutter Carina über das gute Ende der ungewöhnlichen Geschichte.

Polizist zeigte Verständnis fürs Rasen
Beide Elternteile betonen, wie großartig sämtliche Ersthelfer sowie auch die Polizei reagiert hätten: „Auf der Strecke von unserem Heimat- bis zum Geburtsort hat jedes Radar geblitzt, an dem wir vorübergefahren sind. Ich hab aus dem Bus natürlich rausgeholt, was gegangen ist“, rekapituliert der Mann.

Was Dietrich besonders gefreut hat: „Der Beamte hat meine Lenkerdaten erhoben und mir von sich aus angeboten, dass er sich um einen Erlass der Strafen bemühen wird.“

Schwestern warten zu Hause
Nachdem das Kind gesund und die Mutter bei Kräften ist, geht‘s am Donnerstag auch schon wieder nach Hause. Da warten nämlich sehnsüchtig Greta (2) und Laura (4) auf ihr Brüderchen. Auch zu den beiden Kindern gibt es ein lustiges Detail zu berichten: „Die Mädchen feiern am selben Tag Geburtstag“, so die Eltern.

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Nachdem das Baby da war, habe ich dem Vater am Telefon gesagt, dass er es warm einpacken soll. Das ist in der Situation vorerst einmal das Wichtigste.

Hebamme Heidi Niederlechner

Warum man überhaupt einen so weiten Weg von Seckau nach Graz auf sich nimmt, noch dazu, wenn ein Spital näher liegen würde? „Mir war einfach wichtig, während der Schwangerschaft von ein und derselben Ärztin sowie von ein und derselben Hebamme unserer Wahl betreut zu werden. Umso mehr gilt das natürlich für die Geburt selber. Zudem haben wir mit Heidi Niederlechner als unsere Geburtshelferin und Maria Reihs als unsere Gynäkologin auch bei den ersten beiden Kindern schon so gute Erfahrungen gemacht, dass wir natürlich wieder die beiden wollten“, erläutert Carina Dietrich.

Übers Telefon Ratschläge erteilt
Für Heidi Niederlechner, die als freie Hebamme in der Privatklinik Ragnitz schon Hunderten Babys ins Leben geholfen hat, auch keine alltägliche Situation: „Übers Telefon der Gebärenden gut zuzureden, das habe ich in dieser Form auch noch nie gemacht“, sagt die 47-Jährige. „Aber bei so einer tollen Mama und so einem tollen Papa habe ich gewusst, gemeinsam schaffen wir das“, gibt die Nestelbacherin die Komplimente sogleich zurück.

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