Mo, 21. Jänner 2019

Erinnerungen an 1994

30.05.2011 10:58

Wendlinger zum Perez-Crash: "Ich war sehr betroffen"

Der Crash von Sergio Perez im Training für den Grand Prix von Monte Carlo hat beängstigend an jenen von Karl Wendlinger im Jahr 1994 erinnert. Der Österreicher war damals ebenfalls im Training bei einem fast deckungsgleichen Unfall nach der Tunnelausfahrt so böse in die Streckenbegrenzung geknallt, dass er danach fast drei Wochen im Koma lag. Im Interview mit Heinz Prüller erzählt Wendlinger, wie er den Crash des jungen Mexikaners miterlebt hat.

Krone: Karl Wendlinger, der Unfall von Sergio Perez hatte alarmierende Parallelen mit deinem Horror-Crash in Monaco 1997. Wie hast du ihn mitgekriegt?
Karl Wendlinger: "Zuerst gar nicht, bis ich im Teletext die Meldung las: Schwerer Unfall in Monte Carlo. Darauf hab ich dann sofort den Fernseher aufgedreht und mir die RTL-Wiederholung angeschaut."

Krone: Neutral oder mit Schreckensbildern, die 17 Jahre nach deinem eigenen Unfall wiederkamen?
Wendliger: "Nein, ich hab ja meinen Unfall nicht bewusst erlebt und hab auch keine Erinnerung daran. Ich weiß bis heute nicht, ob auch ich nach dem Tunnel mit fast 300 Stundenkilometern gegen die Leitplanken gekracht bin. Man hat im Fernsehen ja erst mein querstehendes Auto gesehen."

Krone: Was ging dir denn durch den Kopf?
Wendlinger: "Mein erster Gedanke am Samstag? Ich war natürlich sehr betroffen. Und: Hoffentlich ist nix passiert, geht alles gut aus."

Krone: Mit deinem Unfall begann das Umdenken in Monte Carlo. Die neuen Sicherheitsmaßnahmen haben Sergio Perez wahrscheinlich das Leben gerettet...
Wendlinger: "Der Anprallschutz wurde um gut 15 Meter nach hinten versetzt. Bei einem Aufprall wie von Perez machen zehn, 15 Meter keinen Unterschied. Es war aber lebenswichtig für Nico Rosberg, der ja um Zentimeter an dieser Barriere vorbeigeschrammt ist. Wäre er an der gleichen Stelle wie ich eingeschlagen, wäre sein Auto total zerschellt. Bei Perez waren die zehn oder 15 Meter fast egal."

Krone: Viele geben den vielen Bodenwellen, die nach der Tunnelausfahrt die Strecke pflastern, die Schuld an den Unfällen.
Wendlinger: "Ich hab bis 2004 in Monaco gelebt – und da hab ich gesehen, dass alle zwei Jahre neu asphaltiert wurde. Aber die Bodenwellen sind immer noch da."

Krone: Neu seit dem Unglücksjahr 1994 ist zum Glück der seitliche Anprallschutz am Auto – und der seitliche Kopfschutz für den Piloten. Eine wesentliche Verbesserung die Sicherheit betreffend.
Wendlinger: "Dadurch, dass das Chassis seit damals über die Schultern gezogen wird, ist der Körper gesichert. Ich hatte das Chassis nur bis zur Schulter. Mein Kopf war im Freien."

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