So, 24. Juni 2018

Familiendrama

24.05.2011 16:42

32-Jähriger wegen Mord an Mutter von Ex-Frau vor Gericht

Ein schreckliches Familiendrama steht seit Dienstag am Wiener Landesgericht im Zentrum eines Prozesses. Im August des Vorjahres hatte ein nunmehr 32-Jähriger in Wien-Währing vor den Augen der gemeinsamen Kinder versucht, seine Ex-Frau zu erstechen. Während diese knapp mit dem Leben davonkam, starb die Schwiegermutter einen Monat später wegen des Versuchs, ihre Tochter zu retten. Der Türke musste sich wegen Mordes und Mordversuchs verantworten. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Die Ehe des Angeklagten war in der Türkei arrangiert worden, doch trotz der Geburt zweier Kinder nicht allzu glücklich. Man war nach Österreich übersiedelt, wo die junge Frau mit ihren Eltern aufgewachsen war. 2010 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden - wegen der Spielsucht des 32-Jährigen, so Staatsanwältin Petra Freh. Dieser wiederum meinte vor Gericht, seine Ex-Frau hätte zu trinken begonnen und sich nicht um Kinder und Haushalt gekümmert.

Fakt ist jedenfalls, dass der Türke mit der neuen Situation nicht klar kam und seine Frau bereits einmal mit einem Messer bedroht hatte. Dieses Verfahren war jedoch eingestellt worden nachdem das Opfer die Aussage verweigert hatte. Doch es wurde ein Betretungsverbot ausgesprochen.

Kinder heimgebracht und Messer eingesteckt
Dennoch wollte die damals 28-Jährige den 2002 und 2003 geborenen Kindern einen Kontakt zum Vater ermöglichen. So durften der Bub und das Mädchen erstmals seit langem wieder bei ihm übernachten. Doch dabei kündigte der Angeklagte laut Anklage gegenüber den eigenen Kindern an, ihre Mutter und dann sich selbst töten zu wollen. Das Mädchen rief daraufhin weinend bei der alarmierten Mutter an, die daraufhin telefonisch ankündigte, dass ihr Ex-Mann die Kinder nicht mehr sehen dürfe und diese sofort nach Hause bringen sollte.

Angegriffene entsorgt Messer geistesgegenwärtig in Kanal
Schon beim Heimbringen der verstörten Kinder nach Währing hatte der Angeklagte ein Messer mit 16 Zentimeter langer Klinge eingesteckt, das er extra für den Mord für zehn Euro gekauft hatte, wie er unmittelbar nach der Tat der Polizei erzählte. Als sich bei der Wohnungstür ein Streit entwickelte, stach er seinem Opfer wuchtig in den Bauch. Die junge Frau flüchtete über die Stiegen. An der Verfolgung hinderte ihn jedoch seine Schwiegermutter, die ebenfalls im Bauch getroffen wurde. Beim Gerangel verlor er die Waffe, die von seiner Ex-Frau auf der Straße in einem Kanal entsorgt wurde.

Wütend darüber, dass ihm der Mord nicht gleich gelungen war, schlug und trat der 32-Jährige so lange auf seine Ex-Frau ein, bis ihn schließlich die Kräfte verließen. Auf der Flucht brach er zusammen und wurde schließlich von der Polizei gefunden. Das gesamte blutige Geschehen hatten die gemeinsamen Kinder hilflos mitansehen müssen.

32-Jähriger laut Verteidiger "geläutert"
Vor Gericht präsentierte sich der Angeklagte laut seinem Verteidiger Marcus Januschke als "gebrochener, geläuterter Mann", der in U-Haft 25 Kilogramm abgenommen habe. Einsamkeit und Depressionen hätten ein "emotionales Gewitter" ausgelöst, dass "falsch kanalisiert" wurde. Er bekannte sich der Messerstiche schuldig, habe jedoch seine Schwiegermutter nicht umbringen wollen.

Bei seiner Aussage wurde der 32-Jährige von Gedächtnislücken geplagt, insbesondere zu jenen Momenten, die für ihn kritisch sein könnten - vor allem bei der Tötung seiner Ex-Schwiegermutter. Das Motiv für seine Tat sei die Angst gewesen, seine Kinder nicht mehr sehen zu dürfen. Das Messer habe er nur eingesteckt, um sie einzuschüchtern.

Angeklagter: Aussagen der Tochter auswendig gelernt
Ob er eine derartige Bedrohung als taugliches Mittel erachte, seine Ex-Frau zu überzeugen, wollte die Staatsanwältin dauraufhin wissen. "Ja", meinte der Angeklagte. Auch sonst versuchte er, sein Vorgehen in einem nicht allzu ungünstigen Licht dazustellen: So wäre er, als ihn seine Schwiegermutter von hinten "angegriffen" hätte, gemeinsam mit ihr die Stiegen heruntergefallen. Wie diese zu den mehrfachen Messerstichen kam, wüsste er nicht. Dass seine eigene Tochter berichtet hatte, der Papa hätte "der Oma ein Messer in den Bauch gesteckt und dann damit gewackelt", erklärte sich der 32-Jährige damit, diese habe das auswendig gelernt.

Nicht erinnern konnte oder wollte er sich auch nicht an seine "Lebensbeichte", wie es ein Beamter nannte, die er unmittelbar nach der Tat gegenüber der Polizei und dem Krankenhauspersonal abgelegt hatte. Diesen hatte er geschildert, er hätte schon vorher den Plan gefasst, seine Frau zu töten. Dafür habe er das Messer eingesteckt und sofort auf sein Opfer eingestochen. Er erkundigte sich auch, ob seine Frau tot sei. Als die Schwester nachgefragt hatte und berichtete, diese würde überleben, war er enttäuscht.

Aussagen von Ex-Frau und Kindern auf Video aufgezeichnet
Obwohl auf der Zeugenliste geführt, wurde die Ex-Frau am Dienstagnachmittag nicht gehört. Ihre Aussagen wurden ebenso wie jene der Kinder auf Video aufgezeichnet und werden am Mittwoch vorgespielt. Die Plädoyers und das Urteil sind laut Gerstberger für Mittwochnachmittag geplant.

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