Vorstoß im Ländle

Ist die Zeit reif für die 4-Tage-Woche?

Vorarlberg
27.02.2022 07:00

Weniger Arbeit, mehr vom Leben - das ist wohl der Wunsch vieler Arbeitnehmer in Vorarlberg. Eine gute Work-Life-Balance bietet aber auch für Unternehmen Vorteile. Die Firma Huppenkothen in Lauterach zeigt vor, wie es gehen kann.

Montagmorgen: Um sechs Uhr aufstehen, Frühstücken, zur Arbeit fahren, eine halbe Stunde Mittagspause und um halb fünf geht es dann wieder nach Hause - das gleiche Spiel am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Diesem „Marschplan“ folgen die meisten Arbeitnehmer in Vorarlberg Woche für Woche. Doch es geht auch anders: Der Baumaschinenhändler Huppenkothen in Lauterach hat ein Modell zur Arbeitszeitreduktion bei gleichbleibendem Gehalt eingeführt. Seit Anfang Februar können die Mitarbeiter ihre Wochenarbeitszeit von derzeit 38,5 auf 35 Stunden reduzieren und müssen nur mehr an vier Tagen die Woche arbeiten - die „Vorarlberg Krone“ hat berichtet.

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Natürlich muss in so ein Projekt viel Zeit und Arbeit investiert werden. Aber wir haben nie daran gezweifelt, dass es klappen wird.

Wolfgang Rigo, GF Huppenkothen Lauterach

Die Einführung des Modells war wohlüberlegt, die Geschäftsführung ist von den Vorteilen voll und ganz überzeugt. In erster Linie soll damit dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden: „Wir wollen auch in Zukunft am Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber angesehen werden“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Rigo.

Das dürfte tatsächlich gelingen: „Nach den ersten Medienberichten und der Umstellung sämtlicher Stellenausschreibungen auf die Vier-Tage-Woche, konnten wir einen sehr starken Anstieg von Bewerbern, vor allem im Bereich der Initiativbewerbungen, beobachten. Aus dem Pool der Initiativbewerbungen werden wir vermutlich eine gerade erst geplante neue Stelle besetzen können - und zwar ganz ohne Ausschreibung.“ Zwei Jahre Vorlaufzeit gingen der Umsetzung voraus. „Natürlich muss in so ein Projekt viel Zeit und Arbeit investiert werden. Allerdings haben wir nie daran gezweifelt, dass es klappen wird.“

Immer an einem anderen Wochentag frei
Ein Eckpfeiler war von Anfang an unverrückbar: Für die Kunden darf es durch die Vier-Tage-Woche keine Einschränkungen geben. „Mit einem rollierenden System bei den freien Tagen war die Lösung rasch gefunden. In Kombination mit der Implementierung von Vertretungsregelungen stand der Umsetzung schließlich nichts mehr im Wege.“

Qualifizierung von Arbeitskräften bleibt das A und O. (Bild: (c) www.VIENNAREPORT.at)
Qualifizierung von Arbeitskräften bleibt das A und O.

Konkret bedeutet das: In jeder Woche haben die Mitarbeiter, die eine Vereinbarung zur Vier-Tage-Woche unterschrieben haben, einen anderen Werktag frei. Alle fünf Wochen winkt zudem ein langes Wochenende. 70 Prozent der insgesamt 320 Mitarbeiter haben sich für das neue Modell entschieden, 30 Prozent wollen vorerst bei der Fünf-Tage-Woche bleiben. „Einige Mitarbeiter sehen für sich keinen Vorteil, einen zusätzlichen Tag frei zu haben. Andere wollen gerne Überstunden machen und sich so ein höheres Gehalt sichern. Die individuellen Bedürfnisse sind unterschiedlich - wir haben es daher den Mitarbeitern frei gelassen, sich für oder gegen die 4-Tage-Woche zu entscheiden.“

Ein Modell, das Schule macht?
Seit 47 Jahren gab es in Österreich keine Arbeitszeitverkürzung mehr - und das, obwohl die Produktivität in dieser Zeit laut Erhebungen des Momentum Instituts um satte 71 Prozent gestiegen ist. Wir leisten also pro Arbeitsstunde immer mehr. Wäre es folglich nicht an der Zeit für eine erneute Arbeitszeitverkürzung? Die Politik scheint dafür noch nicht bereit zu sein, im Gegenteil: Erst vor zwei Jahren hat die damalige schwarz-blaue Bundesregierung mit der (optionalen) Einführung des 12-Stunden-Tages und der 60-Stunden-Woche ganz andere Akzente gesetzt.

Beispiele aus Ländern wie Schweden zeigen jedoch, dass kürzere Arbeitszeiten sehr wohl ein Modell für die Zukunft sein können. Das sieht man auch bei Huppenkothen so: „Unser Arbeitszeitmodell wird die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern und sich zudem positiv auf die Produktivität auswirken“, ist Rigo überzeugt.

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Unser Arbeitszeitmodell wird die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern und sich zudem positiv auf die Produktivität auswirken.

Wolfgang Rigo, GF Huppenkothen Lauterach

Wer zufrieden ist, bleibt dem Unternehmen treu
Diverse Studien belegen zudem, dass durch eine Arbeitszeitreduzierung auch neue Jobs geschaffen werden. Davon geht auch Rigo für sein Unternehmen aus: „Wir rechnen damit, dass sich die Anzahl der Mitarbeiter um etwa 3,5 Prozent erhöhen wird.“ Dass dadurch auch die Personalkosten steigen, ist für Rigo kein „Killerargument“: „Wir glauben felsenfest, dass das ohnehin schon ausgeprägte Zugehörigkeitsgefühl zu unserem Unternehmen durch das neue Modell noch einmal wachen wird, folglich dürfte auch die personelle Fluktuation abnehmen.

Außerdem sparen wir uns dank der vielen Initiativbewerbungen Kosten bei Suche nach Mitarbeitern.“ Das neue Arbeitszeitmodell bei Huppenkothen ist in der Testphase vorläufig auf ein Jahr angesetzt. Rigo geht jedoch bereits jetzt davon aus, dass die 4-Tag-Woche beibehalten wird.

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