14.02.2022 06:00 |

„Yada Yada Yada“

LUEK & Marco: Wenn aus einem Kaffee ein Album wird

Marco Kleebauer (Leyya) und Lukas Maletzky (Naked Cameo), zwei zentrale Personen der einheimischen Indie-Szene, haben aus einem freundschaftlichen Treffen im Herbst ein ganzes Album kreiert. LUEK & Marco ist eine musikalische und inhaltliche Befreiung von Normen und all ihren bisherigen Projekten. Im „Krone“-Interview erklärten sie uns, wie es dazu kam, warum die Texte so persönlich ausgefallen sind und was DJ Ötzi mit all dem zu tun hat.

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Was so alles passieren kann, wenn man sich spontan auf ein einziges Bier verabredet, davon kann wahrscheinlich jeder sein ganz eigenes Lied singen. Bei den beiden Austro-Indie-Helden Marco Kleebauer (Leyya, Sharktank) und Lukas Maletzky (Naked Cameo) war es der Sage nach Kaffee, aber bei dem kurzen Kränzchen in Kleebauers Studio blieb es nicht. Als Maletzky die Gitarre in die Hand nahm gerieten die zwei langjährigen Freunde und Vollblutmusiker in einen mahlstromartigen Herbstrausch, in dem sie innerhalb von neun Tagen zwölf Songs schrieben und DIY-mäßig unter dem Banner „Yada Yada Yada“ (heißt so viel wie „Bla, Bla, Bla“) als Album veröffentlichten. Musik, ganz ohne Konzept und Plan. Geboren aus dem Moment, veredelt mit viel Improvisation und zurechtgebogen mit der Liebe zur Nostalgie.

Gemeinsamer Dialekt
„Wir sprechen einen gemeinsamen musikalischen Dialekt und unser Geschmack ist fast deckungsgleich“, erklärt uns Kleebauer im „Krone“-Interview im Café Prückel, „wir hatten vor einigen Jahren schon mal eine fiktive Funk- und Soulband, in der wir uns ausgetobt haben, aber da waren auch andere Musiker dabei. Dieses Mal haben wir wirklich nur zu zweit gearbeitet.“ Maletzky ergänzt: „Der Albumtitel steht für die Konversation zwischen zwei Menschen. Wir haben beide intensiv daran gewerkt und ich kann manche Songs, die an einem kurzen Tag entstanden sind weniger gut erklären als welche, die ich über einen Zeitraum von drei Jahren für Naked Cameo schrieb.“ Mit den bekannten Projekten haben LUEK & Marco wenig am Hut. Ausgefeilte Indie-Arrangements, US-Hip-Hop-Anklänge oder luzide Soundsphären sucht man hier vergeblich.

„Yada Yada Yada“ ist ein Zeitsprung in die eigene Vergangenheit der Protagonisten. Frühe Nirvana-Grunge-Anklänge, partiell Melodramatischeres Richtung Pixies, die Anarchie von Sonic Youth, Experimentelles aus dem Mike-Patton-Kosmos und verzerrter Alternative-Rock geben sich auf den kurzen, meist sehr eruptiven Liedern die Klinke in die Hand. Obwohl Kleebauer erst 27 ist und Maletzky in Kürze 29 wird, sind die beiden musikalisch ganz klar Kinder der 90er-Jahre. „Als mir mein Bruder ,Smells Like Teen Spirit‘ von Nirvana vorgespielt hat, war das ein Erweckungserlebnis“, erinnert sich Maletzky zurück, „als ich da reinstürzte, gab es im Rock wenig. Maximal die White Stripes, die Strokes und die Arctic Monkeys. Wir machen die Musik, die der Grund dafür ist, dass wir beide überhaupt erst Musiker geworden sind“

Liebe zur Dunkelheit
Gerade die Grunge-Bands standen in den 90er-Jahren für einen thematischen Aufbruch. Inklusion, Feminismus und Empowerment waren Themen, die heute selbstverständlich sind, damals aber noch auf kräftigen Gegenwind stießen. „Wir haben den Anspruch, keinen testosterongesteuerten Rock zu machen. Es gibt bei uns schwere Gitarrenriffs, aber wir machen genderneutrale Musik. Mit Katrin Paucz (Sharktank) und Cathi Priemer (Clara Luzia) werden wir in der Liveumsetzung auch zwei Frauen auf der Bühne haben.“ Livekonzerte soll es, wenn sich die pandemische Lage halbwegs beruhigt hat, auf jeden Fall geben. Es wäre auch zu schade, würde der rockige Nostalgietrip nur im Streaming-Orbit versickern. Die 90er-Rockbands haben das Duo auch außerhalb des bloßen Sounds fasziniert. „Nirvana und Co. hatten so eine gewaltige Dunkelheit in ihrer Musik“, führt Kleebauer aus, „die Indie-Musik der 2000er-Jahre hatte mir zu viel Sonnenscheincharakter. Als Teenager habe ich viel Slayer gehört, dagegen klangen die Arctic Monkeys wie die Teletubbies.“

Kleebauer und Maletzky wollten sich mit dem Sound gegenseitig hypen und ein Album kreieren, das bewusst vom Zeitgeist lebt. „Wir haben alle Lacher, Störungen und Imperfektionen bewusst drinnen gelassen“, so Kleebauer, „inhaltlich ist vieles aktuell, weswegen wir ,Yada Yada Yada‘ auch sehr schnell rausbringen wollten. Das Album trägt ein bisschen die Stimmung mit, die gerade herrscht.“ Zwischen den gesellschafts- und vor allem selbstreferenziellen Songs steckt eine Menge Humor und Ironie. Die Insider-Jokes der beiden Freunde lassen sich nicht immer dechiffrieren, was ganz im Sinne der Erzeuger ist. Manchmal dient der Humor auch als Schutz. Auch da ähneln die beiden ihren Heroen aus den 90er-Jahren. „Wir waren als Teenager sicher Außenseiter“, sagt Kleebauer, „auch wenn ich gut im Musikbusiness verankert bin, fühle ich mich heute noch stark abgekoppelt von dieser Welt. Das hat sicher mit Selbstwertproblemen zu tun. Lukas und ich passen einfach zueinander, das ist eine echte Freundschaft. Ich suche im Humor Schutz, um Themen leichter verarbeiten zu können.“

Von Trends entkoppelt
In Tracks wie „I Have No Friends“, „I Don’t Wanna Go To The Party“ oder „Ate A Lot Of Crap Today“ stecken gleichermaßen Alltagsbeobachtungen, Selbstkritik, Humor, Angst, Ironie, Sarkasmus und persönliche Charakteristika. In LUEK & Marco können sich die beiden Musiker so persönlich und unmittelbar wie nirgends sonst ausdrücken. „Bizniz Wif You“ wurde gar aus zwei Perspektiven geschrieben. Kleebauer sieht darin ein Beziehungsende, Maleztky das Verliebtsein. Zwei externe Positionen vermischt mit denselben Akkorden. Wo keine Erwartungen, da auch kein Druck. „Deshalb sind die Texte auch wie ein Tagebuch. Hätte ich versucht, superpoetisch zu sein, hätte das Album nicht funktioniert. Es ist von jedem Trend entkoppelt, aber gerade deshalb so echt und greifbar.“ Den wichtigsten Tipp dafür bekam Kleebauer einst von DJ Ötzi. „Der hat mir einmal gesagt, dass es immer nur ums Durchziehen geht“, lacht er, „ich hatte ihn immer vor meinem geistigen Auge, als wir am Album arbeiteten.“

So spontan und unmittelbar die Geburt von LUEK & Marco auch wahr, so sehr überwiegt die Freude über das Ergebnis. Fortsetzung somit alles andere als ausgeschlossen. „Wir haben am Reißbrett schon eine Idee, wie es weitergehen soll“, erklärt Maletzky, „die Dinge müssen dann nur noch zusammengreifen.“ Kleebauer freut sich auch schon darauf. „Wir haben mit nichts gerechnet, und jetzt laufen die Songs im Radio und wir geben Interviews. Wir schauen einfach was so passiert und passen uns dem Tempo an. Normal läuft das ja andersrum, aber diese Haltung ist gerade extrem angenehm. Mit dieser Einstellung schützen wir uns auch ein bisschen vor eventuellen Enttäuschungen. Dafür ist uns beiden das Album viel zu wichtig.“ Neben avisierten Konzerten mit dem gemeinsamen Projekt wird sich 2022 auch sonst sehr viel bei beiden tun.

Ein aktives Jahr
Maletzky plant noch im März ein Soloalbum/Mixtape zu veröffentlichen und schreibt eifrig am nächsten Album für Naked Cameo. „Ich gebe 100 Prozent und hoffe, dass wir es noch in diesem Jahr rausbringen werden. Das kommt aber natürlich auch auf die Umstände an.“ Kleebauer muss sich in erster Linie vor sich selbst schützen. Er schreibt Drum-Samples für andere Projekte und hat daraus ein Album gebastelt, das im Juni erscheinen soll. Dazu arbeitet er mit dem deutschen Nachwuchskünstler Donkey Kid, ist aktiv im Mixing-Bereich unterwegs und feilt langsam aber sicher an neuen Songs für die Amadeus-Gewinner Leyya, auch wenn es vorerst bei der angekündigten Bühnenpause bleibt. Das Sharktank wieder auf die Bühne gehen, ist ebenso anzunehmen. „Ich muss langsam einen Schritt zurückgehen. Ich liebe die Musik aber so sehr, dass ich den Punkt für eine notwendige Pause oft übersehe.“

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