„Hirn einschalten“

Nach Todeslawinen: Experten mit dringendem Appell!

Tirol
05.02.2022 08:08

Der Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, hat sich angesichts der zahlreichen Lawinenunfälle am Freitag, von denen jene in Spiss (Bezirk Landeck) und Auffach (Bezirk Kufstein) besonders tragisch endeten, „wütend und enttäuscht“ gezeigt. Man könne nicht mehr tun, als ständig zu appellieren, bei solchen Verhältnissen und bei wenig Erfahrung auf Skitouren und Variantenfahrten zu verzichten.

Mair mahnte die Wintersportler vor allem, sich nicht nur die Gefahrenstufe anzuschauen. Sie müssten stattdessen auch das „Kleingedruckte“ komplett lesen, also den gesamten Text des Lawinenwarndienstes, der eine „Informationspyramide“ darstelle, so der Experte gegenüber der APA.

Meiste Unfälle bei Stufe drei
Auf die Frage, ob man nicht die Gefahrenstufe 4, also große Lawinengefahr, länger aufrechterhalten solle, um die Wintersportler zu sensibilisieren, meinte Mair: „Das wird intern durchaus auch diskutiert. Man darf die Gefahrenstufe aber nicht als Warninstrument missbrauchen“. Es gehe um die fachlich exakte Einschätzung der Lage und die daraus resultierende Gefahr. Am Freitag herrschte in Tirol verbreitet Gefahrenstufe 3, also erhebliche Lawinengefahr. Bei dieser Stufe passieren statistisch gesehen die meisten Lawinenunfälle.

Erhebliche Gefahr auch am Samstag
Auch am Samstag herrscht in ganz Nordtirol Lawinenwarnstufe 3. „Der viele Neuschnee der letzten Tage sowie die umfangreichen Triebschneeansammlungen sollten vorsichtig beurteilt werden. Lawinen können verbreitet schon von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden und groß werden. Solche Gefahrenstellen liegen vor allem an windgeschützten Nordwest-, Nord- und Osthängen sowie in Kammlagen, auch in schattigen, windgeschützten Lagen im Bereich der Waldgrenze sowie unterhalb der Waldgrenze. Touren und Variantenabfahrten erfordern viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr und Zurückhaltung“, heißt es im aktuellen Lawinenreport.


In tiefen und mittleren Lagen und an steilen Grashängen seien zahlreiche Gleitschneelawinen und feuchte Rutsche zu erwarten, vor allem solche mittlerer Größe. An extrem steilen Sonnenhängen sind mit der Sonneneinstrahlung feuchte und nasse Lawinen möglich.

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Ein bisschen das ganze mit Herz und Verstand betreiben und das Hirn einschalten.

Rudi Mair

Die Menschen müssten einfach erkennen, dass es zu bestimmten Zeiten einfach zu gefährlich ist und keinen Sinn macht, sich abseits der gesicherten Pisten zu bewegen, betont Rudi Mair. So schön das Tourengehen auch sei. „Ein bisschen das ganze mit Herz und Verstand betreiben und das Hirn einschalten“ - so der Appell des Leiters des Tiroler Lawinenwarndienstes.

Am Freitag habe ein „klassisches Klumpenrisiko“ bestanden, so Mair. Mehrere Faktoren seien zusammengekommen, die fatale Lawinenunfälle zur Folge haben können. Zum einen viel Neuschnee in den vergangenen Tagen, darüber hinaus stürmischer Wind mit Verfrachtungen als Folge und quasi zu schlechter letzt ein nahendes Wochenende mit prognostiziert gutem Wetter.

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