„Krone“-Interview

Jeder vierte Verschuldete ist unter 30 Jahre alt

Lockangebote und Ratenzahlungen. Immer mehr junge Menschen tappen in die Schuldenfalle. Die „Krone“ im Gespräch mit Gudrun Steinmann von der Schuldnerberatung.

Das neueste Smartphone, die angesagte Markenkleidung, die nach Weihnachten reduziert ist, da kann die Kreditkarte schnell einmal ins Glühen geraten. Vor allem für junge Menschen stellen diese Lockangebote eine Gefahr dar, in eine Schuldenspirale zu geraten.

„Krone“:Besonders junge Menschen sind konsumfreudig, gerade was Online-Shopping betrifft. Bekommen Sie in letzter Zeit vermehrt Anfragen speziell von dieser Altersgruppe?
Gudrun Steinmann: Es fällt schon auf, dass sich tendenziell immer mehr junge Menschen verschulden. Jeder vierte unserer Klienten ist unter 30.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Schulden von jungen Menschen?
Zwischen 15.000 und 20.000 Euro in etwa, das ist zwar weniger als der Gesamtdurchschnitt, aber dennoch eine beachtliche Summe, gerade wenn man am Beginn des Berufslebens steht.

Was sind häufige Gründe fürs Verschulden bereits in jungen Jahren?
Gesteigerter Online-Konsum ist bei jungen Leuten sicherlich ein Thema. Aber auch Lockangebote, wie Gratis-Handys mit teurem Vertrag bergen ein hohes Verschuldungsrisiko. Mit ein Grund ist aber auch, dass viele Jungwiener durch Corona arbeitslos geworden oder in Kurzarbeit sind und sich ihr Einkommen dadurch verschlechtert hat. Hinzu kommt, dass es gerade der jüngeren Generation an ausreichend Finanzwissen mangelt.

Wenn der Schuldenberg nun ein Stück weit gewachsen ist, was raten Sie jungen Menschen, wie sie da am besten wieder rauskommen?
Wir empfehlen rasch Kontakt mit uns aufzunehmen. Man bekommt sofort einen Termin, es gibt keine Wartezeiten. Je früher man Hilfe sucht, desto besser. Außerdem sollte man mit der Familie über die Geldsorgen reden und vielleicht findet sich dann gemeinsam eine Lösung. Ist man bereits höher verschuldet, sollte man erst einmal schauen, wo Ratenzahlungen möglich sind. Auch sollten Einsparmöglichkeiten geprüft werden. Statt mit dem Auto ist man wesentlich günstiger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, gerade in Wien, unterwegs. Und das teure Smartphone kann gegen ein Wertkartenhandy getauscht werden. Auch laufende Versicherungen sollten man prüfen und wenn es nicht anders geht, diese kündigen, nur die Haushaltsversicherung ist wirklich wichtig.

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Den jungen Menschen fehlt es oft an Basisfinanzwissen. Gerade beim Thema Wohnen brauchte es Aufklärung.

Gudrun Steinmann

Gibt es Tipps, wie man erst gar nicht in die missliche Lage kommt?
Eines unserer Präventionsprogramme ist der Finanzführerschein. Wir gehen vermehrt in Polytechnische Schulen und bieten einen fünfwöchigen Kurs an, in dem wir versuchen, Basisfinanzwissen zu vermitteln. Die jungen Erwachsenen sind oft gut über Kryptowährungen informiert, aber wenn es um das Thema Wohnen geht, fehlen den meisten wichtige Kenntnisse. Wenn ich den jungen Erwachsenen einen wertvollen Tipp geben darf: Sparen und Geld auf die Seite legen, für die Finanzierung eines Eigenheims und die Gründung einer Familie werden sie es gut gebrauchen können.

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