Radovan Vujanovic

LASK-Sportdirektor: „Bin sicher keine Marionette!“

Am 17. September kam er von Viertligist Oedt als Sportdirektor zum LASK: 100 Tage später zieht Radovan Vujanovic Bilanz. Der 39-Jährige über seinen Werdegang, seine Philosophie, Ziele, Visionen, Präsident Gruber, Trainer Wieland und seine Transferüberlegungen

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Herr Vujanovic, wie waren für Sie nach 837 Tagen bei der ASKÖ Oedt Ihre ersten 100 Tage im teils eiskalten Wasser des LASK?
Bevor wir hier anfangen, möchte ich Herrn Grad danke sagen. Nach der Fußball-Karriere gleich die Chance bei Oedt zu bekommen, war nicht selbstverständlich. Dafür bin ich ewig dankbar.

Zumal Sie ja auch bis 2023 ein Rückkehrrecht zu Grads Firma Transdanubia haben.
Darüber möchte ich nicht sprechen, aber es freut mich, dass ich dort viel lernen konnte. Wie man Strukturen schafft, wie die Firma aufgebaut ist, bei Herrn Grad geht es nur um Erfolg. Er fordert immer, dass Du besser wirst. Für mich war es wichtig, täglich zu lernen.

Sportlich ist der LASK für Sie aber eine viel größere Chance
Der LASK ist für mich eine Herzensangelegenheit. Hier habe ich gespielt, in Linz sind meine Kinder geboren, ich möchte hier noch 20, 30 Jahre leben. Der LASK ist Bundesligist, eine große Nummer. In Oberösterreich die eins.

In der Tabelle derzeit aber die Nummer zwei.
Momentan!

Seit Monaten!
Aber das wird nicht lange dauern. Das kann ich versprechen. Ried macht das gut, aber ich verstecke mich nicht hinter Ried.

Obwohl Sie bis vor 100 Tagen noch in der 4. Liga waren.
Ich bin 25 Jahre im, Fußball, war in Deutschland. Ich werde mich nicht mit anderen vergleichen, die hier waren. Jürgen Werner und mich kann man auch nicht vergleichen. Er ist erfahrener, hat ein größeres Netzwerk, ich aber hier eine andere Arbeit. Ich will Strukturen schaffen, bin täglich hier, bei jedem Training, bei den Juniors, in der Akademie – Jürgen hat sich darum nicht gekümmert.

Er war aber auch nicht Sportdirektor – das war Dominik Thalhammer.
Trotzdem! Nehmen wir etwa die Juniors und Kampfmannschaft, dann sind das derzeit zwei verschiedene Paar Schuhe. Von U18 bis Kampfmannschaft sollten aber alle eins zu eins wie die Kampfmannschaft spielen. Das ist meine Philosophie. Auch darf es in Zukunft nicht passieren, dass ein Talent aus Oberösterreich zu Austria, Rapid oder Admira geht. Wenn einer mit 14 zu Red Bull geht, okay. Das ist schwierig zu vermeiden. Trotzdem will ich nicht durch die Stadt gehen und ein Red-Bull-Trikot sehen. Ich will auch keines von Rapid sehen. Ich will LASK-Trikots sehen.

Dazu bedarf es aber besserer Leistungen und attraktiverer Spieler als im Herbst.
Die Jungs haben ja Qualität. Aber wir hatten im Sommer einen Umbruch, gute Spieler wie Trauner und Ranftl verloren. Das waren auch Mentalitätsspieler, solche brauchen wir aber für unsere Spielweise. Dazu war Raguž noch nicht fit. Auch waren nicht alle Leistungsträger auf ihrem eigentlichen Niveau.

Auffällig waren auch die vielen Muskelverletzungen.
Das war für mich ein wichtiges Thema. Wir hatten teils fünf, sechs verletzte Spieler. Dazu Corona-Probleme. Und für das, was wir spielen wollten, waren wir nicht fit genug.

Es wäre einfach, für Letzteres Thalhmmer die Schuld zu geben. Doch es gab ja auch andere im Trainerteam!. Hat da nie wer aufgeschrien?
Ich will nicht auf jemand zeigen, der nicht mehr hier ist. Aber ich muss sagen: Dominik wollte Ballbesitzfußball spielen, das war für mich in dem Moment falsch.

Thalhammer betont aber, dies hätte der Klub gefordert. Offenbar der Präsident! Weil Werner ja behauptet, dass er Thalhammer als Trainer nie haben wollte.
Was war, kann ich nicht sagen. Aber jetzt bin ich für das Sportliche zuständig.

Was ist Ihre Vision?
Die zweite Halbzeit beim letzten Spiel gegen die Austria machte mich stolz. Das war der LASK, den ich will. Ich sage auch, wir werden im Frühjahr besser sein und müssen das auch. Dabei aber demütig bleiben, wir haben vor jedem Respekt, aber vor keinem Angst. Die Spieler müssen einfach 90 Minuten marschieren. Wir sind ja ein Arbeiterklub und die Fans lieben das. Das wir Fehler machen ist klar, aber ich will Charaktere am Platz sehen.

Sie sagen, Sie sind für das Sportliche zuständig. Aber dürfen Sie entscheiden? Aus ihrem Umfeld hört man, dass Sie Andi Wieland nur bis 30. Juni verlängern wollten, um dann einen Trainer zu holen, der bis dahin unter Vertrag ist. Ehe Wieland einen Vertrag bis 2024 bekommen hat
Wir haben eine Vision, die wollen wir durchziehen, Wieland ist Top-Fachmann, ich bin von ihm überzeugt.

Das war nicht die Frage!
Finanziell kann ich nicht entscheiden, aber sportlich.

Dennoch entstand zuletzt das Gefühl, dass Präsident Gruber im sportlichen Bereich immer mehr auf Personen setzt, zu denen er ein Nahverhältnis hat. Wie zu Ihnen, als Sie noch Spieler waren.
Trotzdem bin ich damals von heute auf morgen weggegangen und brauche jetzt gute Argumente, um einen Spieler verpflichten zu dürfen. Ich respektiere Siegmund. Er leistet viel für den LASK, liebt den LASK, baut das Stadion. Aber ich bin ganz sicher keine Marionette. Wieland ist ein Fachmann, hat Qualität, ist jung, verdient die Chance.

Apropos: Auch Wieland ist jung, René Gartler als Co-Trainer, Sie als Sportdirektor. Ist da nicht ein großes Manko an Routine da?
Wir sind fleißig, werden Routine bekommen.

Wird sich im Winter im Trainerstab etwas ändern?
Wir werden noch einen Co-Trainer dazuholen.

Und der FC Juniors braucht einen Cheftrainer!
Dort wird es eine interne Lösung geben.

Dazu suchen Sie für die Kampfmannschaft einen Innenverteidiger und Stürmer.
Wir suchen Führungsspieler, die sofort helfen können. Wir brauchen Erfahrung und Qualität.

Muss man vor den Neuverpflichtungen aber nicht erst über Abgänge sprechen. Der Kader ist sehr breit.
Deshalb sehe ich bei einigen auch die Gefahr, dass sie im Frühjahrs eher sehr wenig spielen.

Etwa bei Maresic?
Er hat Leihe bis Sommer. Seine Situation ist sehr schwierig.

Letzteres gilt in der Offensive wohl auch für Schmidt und Monschein. Auch sie werden offenbar noch viel mehr Konkurrenz bekommen, zumal ja auch Marko Raguž endlich wieder fit sein sollte.
Ich weiß das.

Georg Leblhuber
Georg Leblhuber
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