Thema Mietwohnungen

Wien baut sogar zu viel, aber nur im Luxussegment

Seit mehreren Jahren werden in Wien mehr Mietwohnungen errichtet, als für das Bevölkerungswachstum nötig wären. Viele Heime entstehen aber im falschen, zu teuren Luxussegment. Leistbarer Wohnraum fehlt. Die Mieten steigen. 

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Die Preise für Mieten und Eigentum steigen in Wien seit Jahren kontinuierlich an. Wenn man nicht Besserverdiener oder zu zweit ist, kann das Finden einer leistbaren Wohnung zur Unmöglichkeit werden.

Nullzinspolitik und Investorenprojekte
Schuld an den derzeit horrenden Preisen hat einerseits die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die dafür sorgt, dass sehr viel Geld im Umlauf ist. Und Investorenprojekte, die zwar die Grundstückspreise in die Höhe treiben, aber deren Wohnungen leer stehen.

„Der private Wohnungsmarkt funktioniert nicht“, sagt Thomas Ritt Leiter der Abteilung Kommunalpolitik und Wohnen der Wiener Arbeiterkammer. Im Jahr 2015, dem Höhepunkt des Bevölkerungswachstums in Wien, wurden weniger Mehrparteienhäuser gebaut, als gebraucht worden wären. „Der Markt hat darauf regiert: Der Wohnraum wurde knapper und damit kostbarer“, schildert Ritt.

14.000 neue Wohnungen für 10.000 Zugezogene
Da Wien aber einen großen Anteil an geförderten Bauten habe, wurde dieser unterschiedlich bezahlt: am Privatmarkt mit hohen Preisen, im geförderten Bereich mit langen Wartezeiten. Die Situation hat sich seit 2017 aber zunehmend geändert (siehe Grafik): die Wohnbauoffensive der Stadt führte zu mehr Bauleistung, die Null-Zins-Politik zu einem wahren Bau-Boom im privaten Bereich. Gleichzeitig ging das Bevölkerungswachstum zurück.

2020 wurden für 10.000 Zugezogene, die 5000 Wohnungen brauchen würden (da im Durchschnitt zwei Menschen in einer Wohnung leben), mehr als 14.000 Wohnungen errichtet. Die Reaktion des Marktes auf das Überangebot: wieder steigende Preise.

Zitat Icon

Ein funktionierender Wohnungsmarkt hätte bei so einem deutlichen Überangebot mit deutlich sinkenden Preisen reagieren müssen.

Thomas Ritt

„Ein funktionierender Wohnungsmarkt hätte bei so einem deutlichen Überangebot mit deutlich sinkenden Preisen reagieren müssen“, weiß Ritt. Seit 2016 stiegen die Eigentumspreise aber um 25 Prozent, der Mietzins um 15 Prozent.

Geförderte Wohnungen machen derzeit nur ein Drittel der Bauleistung aus, den Rest frei finanzierte Bauträger. Oft sind es Investorenprojekte, deren Wohnungen lediglich als Anlage genutzt werden.

Eine drastische soziale Fehlentwicklung entsteht
„Im Endeffekt entsteht eine drastische soziale und ökologische Fehlentwicklung, weil viele dieser betonierten Sparbücher leer stehen oder nicht ausreichend zum Wohnen genutzt werden. Es ist höchste Zeit, diesem Irrsinn politisch ein Ende zu setzen“, fordert der Ökonom. Dazu brauche es eine Leerstandsabgabe, die Bereitstellung von Grundstücken im Besitz des Bundes für geförderten Wohnbau, eine zielgerichtete Wohnbauförderung und das Aus für befristete Mietverträge.

Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 24. Jänner 2022
Wetter Symbol
(Bild: Krone KREATIV)