17.12.2021 15:00

Wegen Coronavirus:

„ME/CFS-Erkrankungen kommen geballt auf uns zu“

Es ist, als würde jemand den Stecker ziehen: ME/CFS ist eine Erkrankung, die dazu führt, dass Betroffene in ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind. „Schon banale Dinge wie Hausarbeit oder Spaziergänge führen dazu, dass man danach mehrere Stunden liegen muss“, erklärt Neurologe Dr. Michael Stingl im Gespräch mit Jana Pasching. Ein chronischer Erschöpfungszustand, der mitunter ein Leben lang bleiben kann. Obwohl die Erkrankung häufig ist, ist sie noch relativ unbekannt. Was man weiß: ME/CFS kann durch unterschiedliche Erreger ausgelöst werden. „Die Krankheit ist zwar nicht selten, aber relativ punktuell. Mit dem Coronavirus kommt ME/CFS nun in geballter Last auf uns zu und es gibt viele Leute, die gleichzeitig daran erkranken.“

Nicht jeder, der nach einer Covid-Erkrankung typische Erschöpfungssymptome hat, hat aber auch gleichzeitig CFS. „Das ist derzeit eine Grauzone. Das Post-Virale-Fatigue kennt man bei anderen Virus-Infekten auch. Hier kann man bis zu einem Jahr merklich in der Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein. Ich sehe da aber bei vielen Leuten, dass es nach Long-Covid mit der Zeit eine Verbesserung, sogar eine Genesung gibt.“ Dennoch: Es gibt einen gewissen Prozentsatz, bei dem die Erschöpfung anhält. „Bleibt der Zustand über längere Zeit unverbessert, ist die Diagnose ME/CFS möglich.“

Michael Stingl, Neurologe (Bild: krone.tv)
Michael Stingl, Neurologe

Betroffene: „Diagnose folgen Horrorszenarien“
„Eine große Lücke im System ist, dass es nach wie vor so gut wie keine Anlaufstellen für Betroffene gibt“, so der Neurologe. Was die Anerkennung der Krankheit, Versorgung und soziale Absicherung der Betroffene betrifft, gibt es noch viel zu tun. Auch Investitionen in die Forschung sind unerlässlich. „Der Diagnose folgen Horrorszenarien: emotional, körperlich, finanziell“, schreibt eine Betroffene in ihrer Stellungnahme der Petition der Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS, die die Politik zu mehr Unterstützung von Betroffenen auffordert. 19.986 Personen aus Österreich haben unterschrieben - jetzt liegt es an der Politik zu handeln.

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