Gespräche gestartet

Atom-Deal mit dem Iran: Die Welt blickt auf Wien

Vor der neuen Verhandlungsrunde der Atomgespräche im Wiener Palais Coburg ist die Stimmung alles andere als euphorisch. Die neue konservative Regierung in Teheran glaubt aus einer Position der Stärke zu argumentieren, die USA wollen auch nicht nachgeben. Das Ergebnis wird den Nahen Osten nachhaltig verändern.

Wenn man von Marokko über den Sudan bis Teheran an einem Rädchen dreht, drehen sich Hunderte Rädchen mit. Aus diesem Grund ist der Nahe Osten so komplex, aus diesem Grund beobachtet man rund um den Globus die Gespräche zur Rettung des Iran-Atomdeals mit Argusaugen. Der Vertrag sollte das Atomprogramm der Islamischen Republik beschränken und die Entwicklung von Nuklearwaffen verhindern.

Am Montagnachmittag hat nach fünf Monaten Pause die nächste Verhandlungsrunde stattgefunden. Sie dauerte drei Stunden. Einen direkten Austausch zwischen den USA und dem Iran gab es nicht. Der Iran fordert für die Erfüllung des Vertrags die Aufhebung aller Sanktionen. Die USA und die EU fahren ebenfalls einen harten Kurs, nennen die Forderungen „unrealistisch“. Sollten die Gespräche scheitern, greift ein Rad ins andere. Die iranischen Hardliner könnten als nächsten Schritt aus dem Atomwaffensperrvertrag austreten. „Dann ist die Welt blind für alles, was in Teheran passiert“, sagt ein hochrangiger EU-Diplomat der „Krone“.

Mögliches Faustpfand: Syrien und Assad
Regionale Staaten, wie Israel oder Saudi-Arabien, könnten aktiv werden. Dazu benötigt es allerdings die Unterstützung Moskaus und ein Ende der iranischen Präsenz in Syrien. „Mit der ist in der Region niemand glücklich, und es könnte Teil der Verhandlungsmasse in Wien sein“, so der Diplomat. Teheran legt auf die Präsenz großen Wert, lässt sie sich die Unterstützung von Diktator Baschar al-Assad einiges kosten. Und man hat eine direkte Verbindung zum Libanon und der Hisbollah.

Assad ist von den iranischen Milizen genervt, will sie aus dem Land haben. Die Saudis und Israel auch. Eine Kooperation würde nur mit einer Anerkennung Israels funktionieren. Dafür bedarf es einer Lösung für die von Israel besetzten, aber auf syrischem Gebiet liegenden Golanhöhen. Nicht unmöglich. Das iranische Vormachtstreben war bereits mit ein Grund, dass die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain den Staat Israel anerkannten.

Es herrscht Bewegung in der Region. In welche Richtung, hängt von den Wiener Gesprächen ab.

Clemens Zavarsky
Clemens Zavarsky
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Sonntag, 16. Jänner 2022
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