Im „Krone“-Interview:

Gewerkschaftsboss: „Mückstein redet nicht mit uns“

„5 nach 12“ hieß es vor 14 Tagen für viele der bundesweit 400.000 Gesundheits- und Pflegemitarbeiter. Ein Aufschrei zur drastischen Situation! Reinhard Waldhör zu Uhrzeiten, Impfgegner-Ikonen und andere Unarten der Politik

Herr Waldhör, vor zwei Wochen wurde protestiert. Was hat das gebracht?
Reinhard Waldhör: Wir konnten flächendeckend an allen Standorten geeint aufzeigen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Das war ein erstes starkes Zeichen. Viele Kollegen sind zu Recht wütend, immerhin hat Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein bisher nur von oben herab diktiert, was zu tun ist. Das war eine absolute Unart! Jetzt hat er sich wenigstens einmal entschuldigt. Geredet hat er mit uns aber immer noch nicht.

Bereits Jahre vor der Pandemie wusste man, dass 2030 100.000 Pflegekräfte fehlen werden. Jetzt kam Corona dazu. Trotzdem gab es noch kein Gespräch mit Gesundheitsminister Mückstein?
Nein, stattdessen gab es die Befehlsausgabe. Ich weiß nicht, ob er schon kapiert hat, dass wir auch nur ganz normale Menschen sind, weder Soldaten noch Leibeigene! Und dass wir auch den Job wechseln können, wenn es genug ist. Was leider auch immer mehr Kollegen tun.

Man hört, dass Sie bei den Mitarbeitern schon eine Art Impfgegner-Ikone sind...
Das bin ich absolut nicht! Aber eine Impfpflicht nur für den Spitalsbereich hätte null gebracht, da fast 85 Prozent schon geimpft sind. Die paar Leute mehr befreien uns nicht von der Pandemie. Im Gegenzug hätte sie vielleicht Mitarbeiter vertrieben. Ich wünsche mir ja eine Durchimpfung aller.

Wie schlimm ist die Situation, wie spät ist es jetzt?
Gäbe es auf einer Uhr einen Endpunkt, stünden wir sehr knapp davor. Die Situation ist dramatisch. In Salzburg wurden bereits die Rehazentren gesperrt, um eine Personalreserve für die Spitäler zu schaffen. Außerdem versuchen wir derzeit sogar, Jungpensionisten aus ihrem Ruhestand als eiserne Reserve zu reaktivieren. Und ich fürchte, wir werden sie auch dringend brauchen! Der Lockdown kam zu spät.

Was soll die Regierung tun?
Die Pflegereform muss endlich her. Ich erwarte mir, dass Mückstein raschest mit uns redet. Für die Reform braucht es aber auch das Finanz-, das Arbeits- und das Bildungsministerium. Passiert das nicht, beschreiten wir die nächsten Stufen unseres Eskalationsplans. Die Reform duldet nicht mehr das Aussitzen eines Ministers, bis der Nachfolger sich dann mit dem Thema herumschlagen muss.

Ein Weihnachtswunsch?
Bleiben Sie zu Hause und halten Sie Abstand. Das ist das Wirksamste. Und das gilt in jedem Fall auch für Herbert Kickl und die MFG.

René Denk
René Denk
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