20.11.2021 08:00 |

Achensee-Konferenz

Lockdown: Platter erklärt seine 180-Grad-Wende

Fast wie ein Mantra wiederholte der Tiroler Landeshauptmann zuletzt, dass für Geimpfte kein Lockdown verhängt werden dürfe. Seit der Nacht auf Freitag ist alles anders.

Die vehement betonte Überzeugung ist erst drei Tage alt: „Es kann nicht sein, dass 80 Prozent der Menschen eingesperrt werden, nur weil 20 Prozent unsolidarisch sind“, hatte Landeshauptmann Günther Platter am Mittwoch den Mandataren im Landtag noch zugerufen. Gemeint war die geimpfte Mehrheit, die wegen der störrischen Ungeimpften nicht mit einem Lockdown bestraft werden sollte. Nachsatz: „Da geht dann jegliche Motivation für das Impfen verloren.“  Ein gewichtiges Argument, denn viele Tiroler würden sich wohl gefragt haben: „Warum soll ich für den dritten Stich Schlange stehen, wenn ich trotzdem in den Lockdown muss und viele nicht einmal die erste Impfung haben?“

Impfpflicht ändert alles
Eineinhalb Tage nach der Landtagssitzung und eine Landeshauptleute-Konferenz später galt der Grundsatz „kein Lockdown für Geimpfte“ nicht mehr. „Was war für diese Kehrtwende ausschlaggebend?“, wollte die „Krone“ am Rande des Medientermins am Freitag am Achensee wissen. „Die von mir eingeforderte begleitende Impfpflicht“, so betonte Platter, „hat die Rahmenbedingungen geändert.“ Sprich: Nunmehr sei die zu befürchtende sinkende Impf-Motivation kein Kriterium mehr.

„Endlich Perspektive“
Und was war generell für die härtere neue Linie ausschlaggebend? Platter verwies gestern auf die „eindeutigen Botschaften der Ärzte und des Gesundheitspersonals“. Diesen Menschen müsse man nun eine Perspektive geben, dass die Pandemie irgendwann eingedämmt werden könne.

Zu dieser Hoffnung geben die aktuellen Tiroler Zahlen noch wenig Anlass: Einerseits gab es mit 1764 Neuinfizierten und einer Inzidenz von mehr als 1000 (!) neue Höchststände. Andererseits hat man nun bei den Impfungen die Millionen-Grenze überschritten. „Nur mit den Impfungen kommen wir aus dem Teufelskreis“, begründete Platter die lange verneinte Pflicht zum Stich.

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Der Tourismus ist extrem wichtig, über allem steht aber die Auslastung des Gesundheitswesens.

LH Günther Platter

Hoffen auf Wintersaison?
Auf Diskussionen, warum man in Tirol nicht schon früher diese oder jene Maßnahme gesetzt habe, wollte sich Platter nicht mehr im Detail einlassen. „Es geht jetzt allein darum, diese Chance zu nutzen und eine fünfte Coronawelle unbedingt zu vermeiden.“ Im Tourismus fällt der Start der Wintersaison vielerorts mit dem geplanten Lockdown-Ende am 12. Dezember zusammen. Dies bietet bei sinkenden Zahlen die Chance auf ausländische Gäste und Skifahren. „Der Tourismus ist extrem wichtig, über allem steht aber die Auslastung des Gesundheitswesens“, wischte Platter voreiliges Aufatmen beiseite.

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