24.10.2021 07:32 |

Dem Verfall überlassen

Innsbruck: Ehemalige Schätze sind nun Schandplätze

„Neun Plätze, neun Schätze“, lautet der Titel einer ORF-Sendung am Nationalfeiertag, bei der jedes Bundesland einen außergewöhnlichen Ort ins Rennen um den Sieg schickt. Für Tirol tritt diesmal das Gschnitztal an. Auch in Innsbruck kann man von Plätzen sprechen, die einst echte Schätze waren bzw. beherbergten. Nun stellen sie leer stehende Schandflecke dar und keinen kümmert es.

„Das ist doch ein Wahnsinn, dass man diese beiden Gebäude so verwahrlosen lässt. Und das seit vielen Jahren“, schüttelt ein Passant beim „Krone“-Lokalaugenschein den Kopf und geht weiter.

Gemeint ist zum einen die altehrwürdige Rotunde im Stadtteil Saggen, in der jahrzehntelang das Riesen-Rundgemälde untergebracht war, das Zigtausende Schüler aus Tirol im Rahmen eines Schulausfluges betrachteten. Von A wie Aquarium über B wie Büros bis zum überdachten Marktplatz oder Restaurant war da als Nachnutzung schon die Rede. Geworden ist nichts daraus, denn scheinbar fühlen sich weder das Land noch die Stadt zuständig, dieses Gebäude „wiederzubeleben“. Somit steht die Rotunde seit Jahren leer.

Die alte Hungerburgbahn verwahrlost ebenfalls
Unmittelbar daneben gleich der nächste Schandfleck Innsbrucks – die Talstation der ehemaligen Hungerburgbahn. Auch für dieses Gebäude hat man schon viele Ideen geschmiedet, so wollte man beispielsweise ein Haus der Jugend dort unterbringen. Vieles wurde angekündigt von der Politik, in Angriff genommen aber nichts. Seit dem Jahr 2005 steht das Gebäude leer.

Auch alte Talstation in Igls dem Verfall preisgegeben
Stadtteilwechsel, Schauplatz Igls. Das Szenario ähnelt der alten Hungerburgbahn. Nachdem die umstrittene, millionenteure Gondelbahn auf den Patscherkofel umgesetzt wurde, gab man die Talstation der alten Bahn am Ortsrand von Igls dem Verfall preis.

Auch für dieses Gebäude wurden von der Politik in puncto Nachnutzung große Töne gespuckt, war von einem Jugendzentrum die Rede, wurde der Bevölkerung eine Sportspange versprochen. Innsbrucks BM Georg Willi rief einen Ideenwettbewerb aus. Und was ist seither passiert? Genau: Auch nichts!

Pavillon: Trostloser Anblick
Wieder retour in die Stadtmitte, wo ein leer stehender, architektonisch cool aussehender Würfel, genannt Pavillon, einsam und verlassen dasteht. Auch dieser trostlose Anblick zwischen den prachtvollen Fassaden von Hofburg, Hofkirche, Landestheater und Haus der Musik scheint niemanden ernsthaft zu stören.

Nach einem Aufschrei der „Krone“ reagierte Willi und rief – richtig – zu einem öffentlichen Ideenwettbewerb auf. Getreu dem alten politischen Motto: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis“ – heutzutage wird zu einem viel Geld kostenden Ideenwettbewerb aufgerufen.

Die Liste der „Innsbrucker Schandflecke“ lässt sich weiter fortsetzen. Etwa mit dem leer stehenden „Grand Hotel Europa Tirol“ am Bahnhofsvorplatz, dem übel mitgespielt wurde, oder dem Geisterhotel „Ramada“ gegenüber der Olympia-Eishalle, das auch schon zu „Lebzeiten“ für viele eine außergewöhnliche Verschandelung der Stadt darstellte und nach wie vor darstellt...

Von
Claus Meinert
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